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Uhrenmessen im Wandel: Zwischen Business, Begeisterung und Community

Große Fachmessen, publikumsorientierte Uhrenausstellungen oder kleine Communityevents: Die Uhrenwelt bietet mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, Marken und Gleichgesinnte persönlich kennenzulernen. Doch welches Konzept hat Zukunft und was erwarten Händler, Hersteller und Sammler eigentlich von solchen Veranstaltungen? Zwischen geschäftlichen Interessen, persönlicher Leidenschaft und dem Wunsch nach mehr Nahbarkeit werfe ich einen Blick auf die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Formate und verrate, was ich mir für die Uhrenmessen der Zukunft wünsche.

Uhrenmessen im Wandel: Zwischen Business, Begeisterung und Community

Uhrenmessen gehören seit Jahrzehnten fest zur Uhrenbranche. Sie sind Orte, an denen neue Kollektionen vorgestellt, Geschäftsbeziehungen gepflegt, Kontakte geknüpft und natürlich auch Uhren verkauft werden. Doch die Uhrenwelt verändert sich. Marken kommunizieren heute direkter mit ihren Kunden, soziale Medien ermöglichen einen unmittelbaren Austausch und immer mehr kleinere Veranstaltungen bringen Hersteller, Händler und Sammler in persönlicher Atmosphäre zusammen.

Gerade mit Blick auf die bevorstehende WatchTime in Düsseldorf beschäftigt mich deshalb die Frage, wie die Uhrenmesse der Zukunft aussehen sollte und ob die klassischen Messekonzepte den heutigen Erwartungen noch vollständig gerecht werden.

Als Uhrenhändler, Content Creator, Uhrenenthusiast und Veranstalter der UHRPHORIA kenne ich mittlerweile verschiedene Seiten solcher Veranstaltungen. Dabei sehe ich sowohl die Stärken als auch die Herausforderungen der unterschiedlichen Konzepte.

B2B-Messen: Warum die Branche geschützte Räume braucht

Zunächst einmal muss zwischen den verschiedenen Arten von Uhrenmessen unterschieden werden. Eine Veranstaltung wie die INHORGENTA in München richtet sich traditionell vor allem an Fachbesucher. Hier treffen Hersteller auf Händler, Distributoren und andere Branchenvertreter. Es werden Kollektionen vorgestellt, Bestellungen besprochen, Geschäftsbeziehungen aufgebaut und strategische Entscheidungen vorbereitet.

Solche Veranstaltungen sind für die Industrie von erheblicher Bedeutung. Ich halte es deshalb für absolut richtig, dass es weiterhin Räume gibt, in denen die Branche weitgehend unter sich bleiben kann.

Denn nicht jedes Gespräch ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Wenn es um Einkaufskonditionen, Vertriebsstrategien, zukünftige Produkte oder interne Entwicklungen geht, braucht es Vertraulichkeit. Hersteller und Handelspartner müssen offen miteinander sprechen können, ohne dass jede Information unmittelbar nach außen gelangt.

Auch die Möglichkeit, zahlreiche Geschäftspartner innerhalb weniger Tage an nur einem Ort persönlich zu treffen, ist ein großer Vorteil solcher Fachmessen. Das lässt sich durch digitale Kommunikation nur bedingt ersetzen.

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B2C-Messen: Uhren müssen erlebbar sein

Auf der anderen Seite stehen Veranstaltungen, die sich bewusst an Endkunden richten. Die WatchTime in Düsseldorf ist hierfür ein gutes Beispiel. Hier geht es stärker darum, Uhren erlebbar zu machen. Besucher können unterschiedliche Marken entdecken, Modelle anprobieren und mit den Menschen sprechen, die hinter den Produkten stehen.

Gerade bei mechanischen Uhren halte ich diesen persönlichen Kontakt für enorm wichtig. Eine Uhr kann auf Bildern noch so beeindruckend aussehen, letztlich entscheidet häufig erst der Moment am eigenen Handgelenk darüber, ob der Funke überspringt.

Allerdings sehe ich bei solchen Publikumsmessen durchaus Entwicklungspotenzial. Transparenz, Nahbarkeit und der direkte Austausch mit den Besuchern könnten bei einigen der Aussteller meiner Meinung nach eine noch größere Rolle spielen. Wer Eintritt bezahlt, eine längere Anreise auf sich nimmt und möglicherweise sogar ein Hotel benötigt, sollte mehr erleben können als eine Aneinanderreihung schöner Vitrinen oder das kurze zweiminütige Gespräch zu einem Uhrenmodell, bevor eine große Menge weiterer Leute an den Stand drängt.

Besonders spannend finde ich ruhige und ausführliche Gespräche mit Uhrmachern, Designern oder Markengründern. Warum wurde ein bestimmtes Modell entwickelt? Welche Schwierigkeiten gab es bei der Konstruktion? Weshalb hat man sich für ein bestimmtes Uhrwerk entschieden? Solche Einblicke schaffen eine Verbindung, die weit über technische Daten und Verkaufspreise hinausgeht.

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Die Schweizer Lösung als mögliches Vorbild

Einen interessanten Ansatz verfolgt beispielsweise die Watches and Wonders in Genf. Dort werden exklusive Fachbesuchertage mit einem anschließenden Zugang für die breite Öffentlichkeit kombiniert.

Dieses Konzept gefällt mir ausgesprochen gut, weil es unterschiedliche Interessen berücksichtigt, ohne sie gegeneinander auszuspielen. Die Industrie bekommt zunächst die notwendige Zeit, um geschäftliche Angelegenheiten zu besprechen. Anschließend erhalten interessierte Endkunden die Möglichkeit, Neuheiten zu entdecken und selbst Teil einer Veranstaltung zu werden, über die sie ansonsten vielleicht nur in Magazinen oder sozialen Medien erfahren würden.

Natürlich ist ein solches Modell mit zusätzlichem organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden und nicht jede Messe kann oder muss diesen Weg gehen. Trotzdem halte ich die grundsätzliche Idee für ausgesprochen sinnvoll.

UHRPHORIA: Wenn Messe und Communityevent miteinander verschmelzen

Doch muss eine Uhrenveranstaltung überhaupt groß sein, um erfolgreich zu funktionieren?

Mit der UHRPHORIA habe ich selbst ein Format ins Leben gerufen, das Elemente einer klassischen Uhrenmesse mit denen eines Communityevents verbindet. Hier treffen Uhrenmarken auf Sammler, Händler, interessierte Besucher und Menschen, die vielleicht gerade erst damit beginnen, sich intensiver mit dem Uhrenhobby zu beschäftigen.

Natürlich können auch hier Uhren gekauft werden und selbstverständlich verfolgen die teilnehmenden Marken wirtschaftliche Interessen. Gleichzeitig steht aber das persönliche Miteinander im Vordergrund. Man begegnet sich auf Augenhöhe, kommt unkompliziert ins Gespräch und kann sich intensiv mit einzelnen Uhren und ihren Geschichten beschäftigen.

Für mich ist genau diese Mischung besonders reizvoll. Es geht nicht ausschließlich darum, möglichst viele Produkte innerhalb kürzester Zeit zu präsentieren, sondern auch darum, Menschen zusammenzubringen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen.

Dabei möchte ich keineswegs behaupten, dass ein solches Format grundsätzlich besser funktioniert als eine große Messe/Besucher ist begrenzt, die Reichweite meist geringer und der organisatorische sowie finanzielle Aufwand für die Veranstalter in Relation zur Anzahl teilnehmender Personen wird sehr häufig drastisch unterschätzt.

Umgekehrt kann ein überschaubares Veranstaltungsformat aber eine persönliche Atmosphäre schaffen, die bei mehreren Tausend Besuchern nur schwer zu erreichen ist.

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Können kleine Communityevents den Messen den Rang ablaufen?

Noch einen Schritt weiter gehen kleinere Sammlertreffen, regelmäßige Stammtische oder Veranstaltungen einzelner Marken und Händler. Internationale Communities wie RedBar, regionale Uhrenclubs wie der Uhrenclub Westerwald oder auch kleine Treffen bei mir in der flomp89 Lounge zeigen, dass es nicht immer eine große Veranstaltungshalle und zahlreiche Aussteller braucht, um einen interessanten Tag oder Abend rund um das Thema Uhren zu verbringen.

Gerade solche Treffen finde ich ausgesprochen wertvoll. Hier geht es häufig weniger um den unmittelbaren Verkauf als vielmehr um den Austausch unter Gleichgesinnten. Man bringt eigene Uhren mit, diskutiert über Neuheiten, entdeckt bis dato unbekannte Modelle und lernt Menschen kennen, mit denen man ohne das gemeinsame Hobby vermutlich nie in Kontakt gekommen wäre.

Dabei spielt es im besten Fall überhaupt keine Rolle, ob jemand eine Uhr für wenige Hundert oder mehrere Zehntausend Euro am Handgelenk trägt. Entscheidend hier vielmehr die gemeinsame Begeisterung für das Thema Uhren.

Deshalb stelle ich mir durchaus die Frage, ob solche kleinen Communityevents zukünftig gerade kleineren Publikumsmessen teilweise den Rang ablaufen könnten. Warum sollte jemand eine längere Anreise und hohe Kosten für eine Messe auf sich nehmen, wenn er regelmäßig in seiner Region spannende Uhren sowie entsprechende Marken und interessante Menschen kennenlernen kann?

Ganz so einfach ist die Antwort allerdings nicht. Eine Messe bietet eine Markenvielfalt und Vergleichsmöglichkeiten, die ein einzelner Stammtisch kaum erreichen wird. Kleinere Treffen ermöglichen dafür häufig intensivere Gespräche und langfristige persönliche Kontakte.

Ich glaube deshalb weniger an eine Verdrängung als vielmehr an eine sinnvolle Ergänzung der unterschiedlichen Veranstaltungsformate.

Mehr Nahbarkeit, Transparenz und Raum für unabhängige Marken

Was wünsche ich mir persönlich für die Zukunft der Uhrenmessen?

In erster Linie wünsche ich mir, dass die Branche den Menschen hinter dem potenziellen Kunden stärker in den Mittelpunkt stellt. Natürlich müssen Hersteller Uhren verkaufen und Händler wirtschaftlich arbeiten. Ohne funktionierende Geschäftsmodelle gäbe es schließlich auch keine lebendige Uhrenindustrie.

Aber gerade in einer Zeit, in der nahezu jedes neue Modell innerhalb weniger Minuten weltweit digital präsentiert werden kann, muss eine Veranstaltung vor Ort einen echten zusätzlichen Mehrwert bieten.

Dieser liegt für mich vor allem im persönlichen Erlebnis. In Gesprächen, Begegnungen und der Möglichkeit, eine Marke auf eine Weise kennenzulernen, die über eine Produktbeschreibung hinausgeht. Ich wünsche mir Veranstaltungen, auf denen auch Einsteiger ausdrücklich willkommen sind, Fragen erwünscht sind und niemand aufgrund seines Budgets oder Wissensstandes das Gefühl bekommt, weniger interessant zu sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die unabhängigen Hersteller. Gerade kleinere Marken verfügen häufig nicht über die finanziellen Möglichkeiten, sich auf großen internationalen Messen mit aufwendigen Messeständen zu präsentieren. Dabei entstehen ausgerechnet in diesem Bereich oftmals besonders kreative Produkte.

Hier könnten kleinere Messen und Communityevents eine wichtige Lücke schließen. Gleichzeitig müssen natürlich auch diese Veranstaltungen wirtschaftlich funktionieren. Geeignete Räumlichkeiten, Personal, Sicherheit, Technik, Versicherungen ggf. Verpflegung und natürlich entsprechende Werbung kosten Geld. Wer selbst schon einmal eine solche Veranstaltung organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit und finanzielle Verantwortung dahinterstecken.

Meine Meinung: Nicht die Größe einer Veranstaltung entscheidet über den Erfolg

Ich bin überzeugt davon, dass wir auch zukünftig sowohl große internationale Fachmessen als auch publikumsorientierte Uhrenausstellungen, hybride Events und kleine regionale Communitytreffen brauchen werden.

Entscheidend ist, dass jede Veranstaltung ihre Zielgruppe kennt und einen echten Mehrwert bietet. Eine Fachmesse kann mit wenigen, dafür wirtschaftlich bedeutenden Geschäftskontakten ausgesprochen erfolgreich sein. Eine Publikumsmesse kann Tausende Menschen für neue Marken begeistern. Und ein kleiner Sammlerabend mit zwanzig Teilnehmern kann persönliche Beziehungen entstehen lassen, die über viele Jahre Bestand haben.

Für mich ist deshalb nicht die Größe einer Veranstaltung entscheidend, sondern das, was die Menschen am Ende mit nach Hause nehmen. Das kann eine neue Uhr sein, ein interessanter Geschäftskontakt, eine neu entdeckte Marke oder einfach ein großartiges Gespräch mit jemandem, der dieselbe Leidenschaft teilt.

Ich freue mich jedenfalls auf die bevorstehende WatchTime in Düsseldorf und bin gespannt, welche Eindrücke und Begegnungen ich von dort mitnehmen werde. Gleichzeitig freue ich mich darüber, dass sich neben den etablierten Messen immer mehr kleinere Formate entwickeln, die unsere Uhrencommunity auf ihre ganz eigene Weise bereichern.

Denn am Ende sollte es nicht darum gehen, welches Veranstaltungskonzept das beste ist. Viel wichtiger ist, dass die Uhrenwelt lebendig, vielfältig und für möglichst viele Menschen zugänglich bleibt.

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