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Eberhard & Co. – Schweizer Uhrengeschichte seit 1887

Eberhard & Co. blickt auf fast 140 Jahre Schweizer Uhrengeschichte zurück und hat insbesondere die Entwicklung mechanischer Chronographen über viele Jahrzehnte mitgeprägt. Von Extra-Fort und Scafograf über Scientigraf und 8 Jours bis hin zum außergewöhnlichen Chrono 4 gibt es bei der Marke einiges zu entdecken.

Eberhard & Co. – Schweizer Uhrengeschichte seit 1887

Wer sich mit Schweizer Uhren beschäftigt, kennt natürlich die ganz großen Namen der Branche. Daneben gibt es allerdings zahlreiche Hersteller, deren Geschichte kaum weniger spannend ist, die zumindest hierzulande aber deutlich seltener im Mittelpunkt stehen.

Eberhard & Co. gehört für mich ganz klar dazu.

Die Marke wurde bereits 1887 gegründet und kann damit auf fast 140 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken. Besonders spannend ist für mich dabei, dass sich bestimmte Themen wie mechanische Chronographen über viele Jahrzehnte immer wieder als wichtiger Ankerpunkt in der Geschichte des Herstellers finden.

Seit ich Eberhard & Co. selbst in meinem Sortiment führe, habe ich mich natürlich noch einmal deutlich intensiver mit der Marke, ihrer Historie und den verschiedenen Kollektionen beschäftigt. Dabei gibt es einige technische Entwicklungen und Modelle, die ich vorher selbst nicht oder zumindest nicht in diesem Umfang mit Eberhard & Co. verbunden hätte.

Grund genug, die Geschichte der Marke einmal etwas genauer zu betrachten.

Die Anfänge in La Chaux-de-Fonds

Die Geschichte von Eberhard & Co. beginnt 1887 in La Chaux-de-Fonds. Georges-Lucien Eberhard gründete dort die Manufacture d’Horlogerie Eberhard & Co.

Bereits wenige Jahre später beschäftigte sich das Unternehmen mit eigenen technischen Lösungen. 1894 entstand eine Taschenuhr mit einem patentierten System zur Einstellung der Zeit. 1905 folgte ein weiteres patentiertes System zum Ablesen von Stunden und Minuten.

Ein besonders wichtiges Jahr in der Geschichte der Marke war schließlich 1919. Eberhard & Co. präsentierte seinen ersten Armbanduhrenchronographen und damit einen Uhrentyp, der für das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten eine immer größere Bedeutung bekommen sollte.

Der Chronograph wird zu einem wichtigen Teil der Marke

Gerade in den 1930er-Jahren folgten mehrere interessante Entwicklungen.

1935 präsentierte Eberhard einen Chronographen mit zwei Drückern, bei dem eine laufende Zeitmessung gestoppt und anschließend wieder fortgesetzt werden konnte, ohne sie zuvor auf null zurückstellen zu müssen.

1938 folgte der erste Chronograph der Marke mit Stundenzähler. Bereits ein Jahr später stellte Eberhard einen Chronographen mit zwei Drückern und der Möglichkeit vor, zwei unterschiedliche Zeitmessungen durchführen zu können.

1940 erschien schließlich erstmals das Modell Extra-Fort.

Damit wurde ein Name eingeführt, der bis heute im Sortiment von Eberhard & Co. zu finden ist. In den 1950er-Jahren entwickelte sich Extra-Fort zu einer der wichtigsten Kollektionen des Herstellers. 1959 präsentierte Eberhard schließlich die erste Extra-Fort Rattrapante.

Gerade die eben beschriebene Entwicklung des Rattrapante-Modells sowie die vorher bereits erwähnten Chronographen-Modelle zeigen meiner Meinung nach sehr schön, wie früh sich Eberhard & Co. intensiv mit mechanischen Chronographen und unterschiedlichen Möglichkeiten der Kurzzeitmessung beschäftigt hat.

Von der Extra-Fort bis zur Scafograf

1959 war für Eberhard & Co. gleich aus mehreren Gründen ein wichtiges Jahr. Neben der bereits erwähnten Extra-Fort Rattrapante präsentierte die Marke auch die erste Scafograf.

Damit begann eine weitere Modellgeschichte, die bis heute fortgeführt wird.

Die aktuelle Scafograf 300 interpretiert das Thema als moderne Taucheruhr. Mit 43 Millimetern Gehäusedurchmesser, 300 Metern Wasserdichtigkeit, Keramiklünette und Heliumventil handelt es sich dabei um eine entsprechend sportliche und präsente Uhr.

Die Scafograf ist für mich gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, dass sich Eberhard nicht ausschließlich über Chronographen definiert, obwohl diese einen wichtigen Teil der gesamten Unternehmensgeschichte ausmachen.

Eberhard & Co. Scafograf 300 als moderne Taucheruhr
Eine Variante der Eberhard & Co. Scafograf 300. Fotoquelle: Eberhard & Co.

Scientigraf und der Schutz vor Magnetismus

Nur zwei Jahre nach der ersten Scafograf folgte 1961 die Scientigraf.

Diese mechanische Uhr wurde entwickelt, um ihr Uhrwerk vor Magnetisierung zu schützen. Ein Thema, das bei mechanischen Uhren bis heute eine Rolle spielt.

2021 brachte Eberhard & Co. die Scientigraf in einer zeitgemäßen Interpretation zurück. Genau 60 Jahre lagen damit zwischen dem historischen Modell und seiner modernen Neuauflage. 2023 folgte zusätzlich der Scientigraf Chrono.

Die aktuelle Scientigraf besitzt einen Durchmesser von 41 Millimetern und greift nicht nur den historischen Namen, sondern auch den ursprünglichen Gedanken einer antimagnetischen Uhr wieder auf.

Optisch ist sie dabei vergleichsweise funktional gehalten. Das schwarze Zifferblatt, große arabische Ziffern und die verschiedenen Leuchtelemente verleihen ihr einen deutlichen Instrumentencharakter.

Für mich gehört die Scientigraf zu den interessantesten aktuellen Eberhard-Modellen, weil hier eine historische technische Idee aufgegriffen wird, die auch heute noch einen praktischen Nutzen besitzt.

Eberhard & Co. Scientigraf Chrono mit schwarzem Zifferblatt
Der Eberhard & Co. Scientigraf Chrono. Fotoquelle: Eberhard & Co.

Die Quarzkrise und die Rückkehr zur Mechanik

Natürlich ging auch an Eberhard & Co. die Quarzrevolution nicht vorbei.

1970 stellte das Unternehmen mit der Modul-O-Quartz eine eigene Quarzuhr vor und reagierte damit auf die Veränderungen innerhalb der Uhrenindustrie.

Interessant ist allerdings auch die weitere Entwicklung. 1982 brachte Eberhard mit der Chrono Marine wieder einen mechanischen Chronographen auf den Markt.

Diese beiden Modelle stehen exemplarisch für eine Zeit, in der sich große Teile der traditionellen Schweizer Uhrenindustrie vollkommen neu orientieren mussten und viele von ihnen dabei durch die immensen Herausforderungen auf der Strecke geblieben sind.

Eberhard & Co. und Tazio Nuvolari

1992 begann ein weiteres Kapitel, das bis heute eng mit der Marke verbunden ist.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Tazio Nuvolari präsentierte Eberhard & Co. einen nach dem legendären italienischen Rennfahrer benannten Chronographen.

Nuvolari wurde 1892 geboren und gehörte zu den bedeutendsten Rennfahrern seiner Zeit. Die Verbindung von Motorsport und mechanischen Chronographen ist natürlich grundsätzlich naheliegend, bei Eberhard & Co. entwickelte sich daraus allerdings eine eigene Kollektion, die über die folgenden Jahrzehnte immer wieder erweitert wurde.

Bis heute gehört die Kollektion nach Tazio Nuvolari zum Sortiment der Marke und ist damit längst selbst zu einem wichtigen Bestandteil der jüngeren Eberhard-Geschichte geworden.

Acht Tage Gangreserve bereits 1997

Eine technisch besonders interessante Uhr erschien 1997 mit der 8 Jours.

Wie der Name bereits vermuten lässt, besitzt die mechanische Uhr eine Gangreserve von acht Tagen.

Möglich wurde dies durch eine patentierte Konstruktion mit zwei übereinander angeordneten Zugfedern, die gemeinsam eine Länge von mehr als 1,5 Metern erreichen.

Gerade wenn man bedenkt, dass die Uhr bereits Ende der 1990er-Jahre vorgestellt wurde, finde ich diese Konstruktion wirklich sehr bemerkenswert.

Lange Gangreserven sind heute bei mechanischen Uhren sicherlich keine Seltenheit mehr. Acht Tage sind allerdings auch nach heutigen Maßstäben eine durchaus noch sehr beachtliche Zeitspanne.

2001 erscheint die Chrono 4

Eine der wahrscheinlich bekanntesten Uhren von Eberhard & Co. wurde 2001 vorgestellt.

Der Chrono 4 unterscheidet sich bereits auf den ersten Blick deutlich von einem klassischen Chronographen.

Normalerweise befinden sich die verschiedenen Totalisatoren eines Chronographen verteilt auf dem Zifferblatt. Beim Chrono 4 liegen dagegen vier Anzeigen horizontal nebeneinander.

Angezeigt werden dort die Chronographenminuten, Chronographenstunden, eine 24-Stunden-Anzeige sowie die kleine Sekunde.

Um diese ungewöhnliche Anordnung technisch umsetzen zu können, entwickelte Eberhard & Co. eine eigene patentierte Konstruktion.

Das Ergebnis ist eine Uhr mit einem ausgesprochen hohen Wiedererkennungswert. Ob einem die vier nebeneinanderliegenden Anzeigen gefallen, bleibt natürlich Geschmackssache. Eigenständig und revolutionär ist das Konzept aber ohne Zweifel.

2021 feierte Eberhard das 20-jährige Jubiläum der Chrono 4 unter anderem mit der Kollektion Chrono 4 “21-42”. Benannt wurde diese Kollektion nach dem Erscheinungsjahr und dem neuen Durchmesser der Uhren.

Heute gehört der Chrono 4 für mich zu den Modellen, die man besonders stark mit Eberhard & Co. verbinden kann und die ich auch persönlich sehr spannend finde.

Eberhard & Co. Chrono 4 21-42 mit vier horizontalen Anzeigen
Ein Modell aus der Eberhard & Co. Chrono 4 21-42 Kollektion. Fotoquelle : Eberhard & Co.

1887 als Verbindung zur eigenen Geschichte

Auch in den vergangenen Jahren hat Eberhard immer wieder auf die eigene Historie zurückgegriffen.

2019 erschien die nach dem Gründungsjahr benannte 1887. Die Handaufzugsuhr wird vom exklusiven Kaliber EB 140 angetrieben.

2024 wurde die Kollektion um zwei Chronographen erweitert: dem Chronographe 1887 Édition Limitée sowie dem Chronographe 1887 Automatique.

Die auf 250 Exemplare limitierte Variante besitzt ein Handaufzugswerk mit der Bezeichnung EB 280. Die Automatikversion arbeitet mit dem EB 380.

Beide exklusiven Eberhard-Kaliber verfügen über ein Schaltrad und eine Flyback-Funktion. Letztere ermöglicht es, eine laufende Zeitmessung mit nur einer Betätigung zurückzusetzen und unmittelbar neu zu starten.

Auch optisch orientieren sich die beiden neuen Modelle an den historischen Eberhard-Chronographen aus den 1930er- und 1940er-Jahren.

Für mich ist die 1887 Kollektion deshalb besonders interessant, weil sie nicht einfach nur einen historischen Namen zurückbringt, sondern die lange Chronographengeschichte der Marke konsequent mit der Welt der modernen mechanischen Uhren verbindet.

Die Contodat zeigt eine andere Seite von Eberhard

Eine der jüngsten Kollektionen ist die 2025 vorgestellte Contodat.

Ihre Inspiration stammt von einer Eberhard-Uhr aus den 1970er-Jahren. Angeboten wird die Kollektion sowohl als Chronograph als auch als klassische Dreizieger-Automatikuhr mit dezentraler Sekunde.

Mit 39 Millimetern Gehäusedurchmesser und einem integrierten Edelstahlband zeigt die Contodat eine deutlich andere Seite der Marke als beispielsweise die Chrono 4 oder die Scafograf 300 und passt sich modernen Entwicklungen und Geschmäckern der Uhrenfans an.

Gerade die Contodat Automatic finde ich persönlich sehr interessant. Neben den vergleichsweise kompakten Abmessungen sorgen die kleine Sekunde und die charakteristische Datumsanzeige für ein eigenständiges Erscheinungsbild dieser eher sportlich gehaltenen Uhr.

Gleichzeitig zeigt die Kollektion sehr gut, wie unterschiedlich das aktuelle Sortiment von Eberhard & Co. inzwischen aufgestellt ist.

Eberhard & Co. Contodat Automatic mit grauem Zifferblatt
Eine Version der Eberhard & Co. Contodat mit grauem Zifferblatt. Fotoquelle: Eberhard & Co.

Fast 140 Jahre Schweizer Uhrengeschichte

2027 wird Eberhard & Co. sein 140-jähriges Bestehen feiern.

Von den ersten patentierten Entwicklungen Ende des 19. Jahrhunderts über zahlreiche Chronographen, die Extra-Fort, Scafograf und Scientigraf bis hin zur 8 Jours und Chrono 4 gibt es entsprechend viel zu entdecken.

Natürlich bedeutet eine lange Unternehmensgeschichte nicht automatisch, dass die aktuellen Uhren gut sein müssen. Historie allein wäre für mich niemals ein ausreichendes Kaufargument.

Interessant wird es jedoch dann, wenn ein Hersteller seine Vergangenheit auch heute noch sinnvoll mit seinen aktuellen Modellen verbindet und das in herausragender Qualität.

Genau das gelingt Eberhard & Co. meiner Meinung nach an sehr vielen Stellen ziemlich gut.

Mein persönlicher Blick auf Eberhard & Co.

Bevor ich Eberhard & Co. selbst ins Sortiment aufgenommen habe, war mir die Marke natürlich bereits ein Begriff. Insbesondere die Chrono 4 Kollektion kannte ich schon etwas länger.

Erst durch die intensivere Beschäftigung mit Eberhard & Co. habe ich allerdings festgestellt, wie umfangreich die Geschichte dahinter tatsächlich ist.

Gerade die verschiedenen Entwicklungen im Bereich der Chronographen finde ich dabei besonders spannend. Gleichzeitig sorgen Modelle wie Scafograf, Scientigraf, 8 Jours oder die aktuelle Contodat dafür, dass sich die Marke nicht ausschließlich darauf reduzieren lässt und durchaus auch andere Zielgruppen innerhalb der Uhrencommunity bedient.

Nicht jede dieser Uhren trifft automatisch meinen persönlichen Geschmack und das muss sie auch überhaupt nicht.

Für mich gehört zu einer interessanten Uhrenmarke gerade dazu, dass sie einen eigenen Charakter besitzt und nicht versucht, mit jedem Modell möglichst jedem zu gefallen.

Eberhard & Co. ist sicherlich nicht die Schweizer Uhrenmarke, über die hierzulande am häufigsten gesprochen wird. Angesichts einer Geschichte, die mittlerweile fast 140 Jahre durchgängiger Aktivität umfasst, lohnt es sich meiner Meinung nach aber durchaus, einmal etwas genauer hinzuschauen.

Vielleicht entdeckt der eine oder andere von Euch dabei ja mit Eberhard & Co. eine durchaus spannende Marke, die er bisher noch gar nicht oder nur am Rande auf dem Schirm hatte.

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flomp89
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