Ein Jahr flomp89 Lounge – Zwischen Leidenschaft, Realität und ganz viel Dankbarkeit
Vom Hobby zum Beruf und warum es sich trotzdem anders anfühlt
Vor ziemlich genau einem Jahr ist aus einer Idee etwas entstanden, das ich mir so zwar erhofft, aber in dieser Form ehrlich gesagt nicht komplett ausgemalt hatte. Die flomp89 Lounge war plötzlich nicht mehr nur ein Gedanke oder ein Projekt nebenbei, sondern ein fester Bestandteil meines Alltags. Ein Ort, an dem sich vieles bündelt, was mich schon seit Jahren begleitet. Uhren, Gespräche, Austausch und diese besondere Form von Begeisterung, die man nur schwer erklären kann, wenn man sie nicht selbst erlebt.
Mit diesem Schritt kam auch eine Veränderung, die man nicht unterschätzen darf. Aus einem Hobby wurde ein Beruf, aus reinem Content für Social-Media wurde ein Uhrenhandel als Retailer zahlreicher Marken, aus Leidenschaft wurde plötzlich auch eine große Verantwortung. Und ja, ich arbeite heute deutlich mehr als früher. Es gibt kaum noch klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit, vieles verschwimmt, vieles läuft parallel. Trotzdem fühlt es sich deutlich anders an als klassische Arbeit. Nicht immer leichter, nicht immer wesentlich entspannter, aber oft erfüllender. Es gibt viele Momente, in denen ich merke, dass genau das hier der richtige Weg war, auch wenn es sicherlich nicht die einfachste Option ist.
Die Lounge als Fundament und ihre digitale Verlängerung
Der Schritt zur eigenen Lounge war rückblickend einer der wichtigsten überhaupt, weil er dem Ganzen eine neue Ebene gegeben hat. Vorher waren fast alle meine Inhalte rein digital. Man hat sich zwar auch auf Events gesehen, aber dann doch überwiegend über Nachrichten ausgetauscht oder Videos geschaut. Mit der Lounge ist ein fester Ort entstanden, an dem all das zusammenkommt und greifbar wird.
Uhren lassen sich nicht vollständig über Bilder oder Videos vermitteln. Es geht um Haptik, um Präsenz, um das Gefühl am Handgelenk. Und genau dafür ist die flomp89 Lounge da. Gleichzeitig hat sich mein Onlineshop immer mehr zu einer echten Erweiterung entwickelt. Er ist keine separate Welt, sondern spiegelt die Lounge in gewisser Weise digital wider und wird auch genau so genutzt.
Gerade für Menschen, die nicht einfach persönlich vorbeikommen können, ist das ein wichtiger Zugang. Und ich merke immer mehr, dass der Shop sehr aktiv von Euch genutzt wird und für viele ein entscheidender Einstiegspunkt ist. Das Zusammenspiel aus Online und persönlichem Erlebnis funktioniert inzwischen sehr rund und ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Konzepts geworden.
Team, Struktur und Wachstum im Hintergrund
Was sich im Laufe des Jahres ebenfalls klar gezeigt hat, ist, dass so ein Konzept nicht dauerhaft alleine funktioniert. Viele Dinge wirken nach außen vielleicht selbstverständlich, sind es aber im Hintergrund ganz und gar nicht. Gerade im Bereich Content, Präsentation und Außenwirkung steckt viel mehr Arbeit, als man auf den ersten von außen Blick sieht.
Mit Marius im Bereich Videografie und Mario für grafische sowie organisatorische Themen habe ich mittlerweile zwei Freelancer an meiner Seite, die genau diese Bereiche abdecken und auf ein anderes Level bringen. Das sorgt nicht nur für eine höhere Qualität nach außen, sondern auch für deutlich mehr Struktur im Alltag. Viele Dinge greifen inzwischen besser ineinander, weil sie nicht mehr komplett bei mir allein liegen.
Marken, Vertrauen und die Entwicklung des Portfolios
Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist, ist die Zusammenarbeit mit den Marken. Vieles von dem, was ich heute machen kann, ist nur möglich, weil mir Marken/Hersteller ihr Vertrauen geschenkt haben. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn gerade am Anfang ist es alles andere als selbstverständlich, als Retailer eine Chance zu bekommen.
Heute habe ich die Möglichkeit, Uhren in ganz unterschiedlichen Preis- und Stilrichtungen anzubieten. Von einem eher niederschwelligen Einstieg bis hin zu deutlich spezielleren, aufwendigeren oder limitierten Modellen. Genau diese Bandbreite ist mir wichtig, weil ich sowohl Einsteiger als auch versierte Sammler abholen möchte.
Trotzdem gehört auch hier zur Ehrlichkeit dazu, dass nicht jede Marke automatisch so funktioniert, wie man es sich im Vorfeld vielleicht vorgestellt hat. Manche entwickeln sich sehr dynamisch, andere brauchen länger oder treffen nicht ganz den Nerv der Zielgruppe. Das ist kein Vorwurf, sondern Teil des Lernprozesses. Diese Tatsache zwingt mich aber dazu, genauer hinzuschauen und langfristig zu entscheiden, was sinnvoll ist und was hinsichtlich der Marken vielleicht doch nicht dauerhaft in mein Portfolio passt.
Auch in der Zusammenarbeit selbst gibt es Unterschiede. In den meisten Fällen funktioniert der Austausch offen und partnerschaftlich. Gleichzeitig gab es aber auch Situationen, in denen ich mir eine klarere Kommunikation, transparentere Preisstrukturen oder ein offeneres Miteinander gewünscht hätte. Das sind Dinge, die man erst im laufenden Betrieb wirklich versteht und bei denen ich lernen musste, sie aktiv anzusprechen. Wichtig ist es mir dabei besonders solche Unklarheiten schnell, fair und auf Augenhöhe anzusprechen und optimalerweise auch schnell beseitigen zu können. Das gelingt mir aktuell zum Glück auch nahezu immer sehr gut.
Community, Nähe und echte Highlights
Wenn ich auf das letzte Jahr schaue, dann ist einer der schönsten Aspekte ganz klar die Entwicklung rund um die Community. Die flomp89 Lounge und der Onlineshop werden angenommen und daraus entstehen Gespräche, Begegnungen und Verbindungen, die oft weit über das eigentliche Thema “Uhr” hinausgehen.
Was mich dabei zusätzlich besonders freut, ist zu sehen, wie groß das Einzugsgebiet mittlerweile geworden ist. Es kommen nicht nur Leute aus der direkten Umgebung, sondern teilweise auch ganz neue Uhrenfans mit wirklich weiter Anfahrt. Manchmal sogar zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, die dann bewusst mit einem Besuch in der Lounge verbunden werden. Das sind Momente, die ich nicht als selbstverständlich ansehe und die mir wirklich Spaß machen, weil sie zeigen, dass das Ganze mehr ist als nur ein Ort für den Kauf einer Uhr.
Und genau dort entstehen auch echte Highlights. Wenn Menschen, die einem menschlich nah sind bzw. werden, gleichzeitig bewusst wahrnehmen, was hinter dem Ganzen steckt und sich dann entscheiden, Uhren gezielt bei mir zu kaufen. Diese Kombination aus persönlicher Nähe und geschäftlicher Wertschätzung ist für mich etwas ganz Besonderes und freut mich jedes Mal aufs Neue sehr.
Events als Herzstück und ihre zwei Seiten
Ein Bereich, der im letzten Jahr einen immer größeren Teil meiner Arbeit eingenommen hat, sind die Events. Sie sind im Grunde die Verlängerung dessen, was die Lounge bereits sehr gut im Kleinen darstellt, nur in unterschiedlichen Formaten und auf verschiedenen Ebenen.
Ein Beispiel, das mich besonders freut, ist das Manufakturevent bei Alexander Shorokhoff, das ich dieses Jahr bereits zum fünften Mal in Folge organisieren darf. Gerade weil solche Formate vom Vertrauen der Marke in meine Arbeit leben, ist das alles andere als selbstverständlich für mich. Umso schöner ist es zu sehen, dass wir in diesem Jahr eine der höchsten Anmeldezahlen überhaupt für dieses Event haben.
Auch andere Veranstaltungen, beispielsweise unser Besuch 2025 bei STOWA oder regelmäßige kleinere Treffen direkt in der flomp89 Lounge, gehören genauso dazu. Diese Formate sind oft besonders persönlich, gleichzeitig aber auch mit Aufwand verbunden, gerade weil ich bewusst Wert auf eine gute Atmosphäre und eine hochwertige Verpflegung lege.
Das größte Projekt dieser Art ist für mich mittlerweile die Uhrphoria, die dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet und die ich gemeinsam mit Mario Franyi organisiere. Gleichzeitig muss man sagen, dass solche Events wirtschaftlich nicht darauf ausgelegt sind, große Gewinne zu erzielen. Im Gegenteil. Die Kosten bewegen sich beispielsweise bei der Uhrphoria mittlerweile im sehr deutlich fünfstelligen Bereich.
Was mich dabei manchmal beschäftigt, ist jedoch das Thema Commitment. Es gibt eine Kerngruppe von Uhrenfans, die solche Events sehr frühzeitig aktiv unterstützt und das ist unglaublich wertvoll. Gleichzeitig gibt es aber auch Situationen, in denen Rückmeldungen zahlreicher Communitymitglieder erst relativ spät kommen oder Zusagen sowie Absagen sehr kurzfristig erfolgen. Das ist nachvollziehbar, macht die Planung organisatorisch und finanziell aber nicht unbedingt einfacher.
Wenn nicht alles rund läuft und warum das dazugehört
Bei all dem Positiven gehört es auch dazu, die andere Seite nicht auszublenden. Es gibt Tage, an denen Dinge nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat. Tage, an denen man merkt, dass Selbstständigkeit eben nicht nur aus den schönen Momenten besteht, sondern auch aus vielen kleinen Themen, die sich summieren und im Hintergrund laufen.
Ein klassisches Beispiel sind Dinge, auf die man selbst keinen direkten Einfluss hat. Versandprobleme etwa, Verzögerungen bei Dienstleistern oder Abstimmungen, die nicht so funktionieren wie geplant. Der Kunde kann nichts dafür, ich kann nichts dafür, und trotzdem liegt es am Ende bei mir, das Ganze aufzuklären, zu erklären und sauber aufzulösen. Ich bin dann derjenige, der hinterhertelefoniert, nachhakt, Lösungen sucht und gleichzeitig versucht, den Kunden auf dem Laufenden zu halten.
Das ist kein Drama, sondern gehört zum Alltag dazu. Aber es sind genau diese Situationen, die Zeit und Energie kosten, weil sie sich nicht planen lassen und oft genau dann auftauchen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Beratung, Erwartung und Realität
Ein weiterer Punkt, der im Alltag eine große Rolle spielt, sind intensive Beratungsprozesse. Gespräche, die sich über viele Tage ziehen, mit zahlreichen E-Mails, Rückfragen und Überlegungen. Das gehört für mich ganz klar dazu und ist auch ein Teil dessen, was ich bewusst anbiete. Ich nehme mir diese Zeit gerne, auch abends, am Wochenende oder nach Feierabend, weil ich den Anspruch habe, den bestmöglichen Service zu liefern und gemeinsam mit dem Interessenten/der Interessentin die passende Uhr zu finden.
Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch immer wieder, wie unterschiedlich Erwartung und Realität sein können. Es gab beispielsweise einen Fall, bei dem sich ein Austausch über mehr als 15 E-Mails nur von meiner Seite aus gezogen hat, viele davon spät abends oder am Wochenende, weil ich möglichst schnell und ausführlich reagieren wollte. Es ging konkret um zwei Marken, die intensiv besprochen wurden. Am Ende wurde dann eine dritte Marke extern gekauft, die ich jedoch ebenfalls im Portfolio habe und problemlos hätte anbieten können.
Das ist kein Vorwurf, sondern eher ein Moment, in dem man innehält und sich fragt, wie solche Situationen entstehen. Denn auf der einen Seite steht bei mir der Anspruch, genau den oben beschriebenen Service zu bieten und sich Zeit zu nehmen. Auf der anderen Seite steht die Realität, dass dieser Aufwand nicht immer in der Form wahrgenommen oder gespiegelt wird, sich somit also auch regelmäßig nicht lohnt.
Ein ähnliches Gefühl entsteht zeitweise im Zusammenhang mit Events. Ich weiß den Besuch meiner Veranstaltungen wirklich zu schätzen. Sie leben davon, dass Menschen kommen, sich austauschen und das Ganze mit Leben füllen. Ohne diese Uhrenfans wären die Events nicht das, was sie sind.
Gleichzeitig darf man aber nicht ausblenden, dass jedes einzelne Event Zeit, Energie und auch Geld kostet. Vorbereitung, Organisation, Verpflegung und alles, was dazugehört, laufen im Hintergrund und sind ein nicht unerheblicher Aufwand für mein Team und mich. Wenn man dann über die Zeit feststellt, dass gerade einige Stammgäste solcher kostenfreien Formate sich bei kostenpflichtigen Events schwer tun oder Entscheidungen sehr lange offenlassen und gleichzeitig Uhrenkäufe durch diese Gäste bei anderen Anbietern stattfinden, dann ist das ein Punkt, der mich doch sehr nachhaltig beschäftigt. Gerade genau denn, wenn die extern gekauften Marken auch Bestandteil meines Portfolios/Angebots sind.
Und exakt an dieser Stelle kommt ein Aspekt dazu, der sich im Vergleich zu früher verändert hat. Das Ganze ist mittlerweile kein reines Hobby mehr, bei dem man ohne große Gedanken einfach Zeit und Geld investiert, weil es Spaß macht. Es ist ein Unternehmen geworden, mit laufenden Kosten, mit Verpflichtungen und mit einem klaren wirtschaftlichen Rahmen, in dem sich alles bewegen muss.
Das bedeutet nicht, dass die Leidenschaft verloren geht. Aber es bedeutet, dass Zeit und Geld nicht mehr unbegrenzt eingesetzt werden können. Dinge müssen funktionieren, damit das Gesamtmodell langfristig tragfähig bleibt.
Wenn man das alles zusammennimmt, entstehen bei den oben geschilderten Situationen nichtselten die Fragen: Bin ich irgendwo falsch abgebogen? Gibt es Dinge, die ich anders oder besser machen kann, um mehr Commitment zu erzeugen? Oder ist das Ganze einfach ein Bestandteil der Dynamik eines offenen Konzepts?
Vom Hobby zum Geschäftsmodell und warum sich der Blick verändert
Ein Punkt, der sich im Laufe des Jahres wahrscheinlich am deutlichsten verändert hat, ist die eigene Perspektive. Solange etwas ein Hobby ist, kann man viele Dinge einfach laufen lassen. Man probiert sich aus und denkt nicht in wirtschaftlichen Kategorien.
In dem Moment, in dem daraus ein Geschäftsmodell wird, verändert sich dieser Blick ganz automatisch. Es entstehen Verpflichtungen, laufende Kosten und nicht unerhebliche Investitionen. Gleichzeitig muss das Ganze im Alltag funktionieren, damit die Idee und das erdachte Konzept langfristig bestehen können.
Der Spaß bleibt, aber er steht nicht mehr alleine. Er wird ergänzt durch eine wirtschaftliche Realität, die Entscheidungen beeinflusst und bewusster macht.
Ein ehrlicher Blick zum Schluss
Mit diesem Beitrag ging es mir nicht darum, mich zu beschweren oder etwas zu glorifizieren, sondern einfach darum, Euch einen ehrlichen Einblick zu geben. Die flomp89 Lounge, der Onlineshop die Events und das Miteinander wirken nach außen oft sehr leicht und genau so soll es auch sein.
Gleichzeitig steckt dahinter aber eben auch ein Aufwand, der nicht immer sichtbar ist sowie ein nicht geringes zeitliches und finanzielles Risiko. Mir geht es hiermit nicht darum, Erwartungen zu formulieren, sondern, ein besseres Verständnis zu schaffen.
Denn am Ende ist das Ganze nicht nur Leidenschaft, sondern auch mein Vollzeitjob in dem ich mich stetig weiterentwickeln möchte und muss. Genau dafür habe ich zahlreiche Ideen und Projekte, die ich gerne nach und nach gemeinsam mit und auch für Euch umsetzen möchte.
Und genau deshalb freue ich mich auf alles, was noch kommt 🙂