Wer sich zum ersten Mal intensiver mit Armbanduhren beschäftigt, merkt schnell: Je tiefer man in das Thema eintaucht, desto mehr Fragen tauchen auf. Das ging mir vor vielen Jahren genauso. Einige der nachfolgenden Fragen habe ich mir selbst gestellt, andere höre ich heute regelmäßig in der flomp89 Lounge, auf YouTube oder per E-Mail von Interessierten und Kunden.
Die folgende Auswahl ist deshalb ganz bewusst subjektiv. Sie basiert nicht auf einer offiziellen Statistik, sondern auf den Fragen, die mir persönlich am häufigsten begegnen oder die ich, wie bereits beschrieben, selbst zu Beginn meines Hobbys gerne beantwortet bekommen hätte. Vielleicht findest du deine eigene Frage ebenfalls in dieser Liste.
1. Automatik oder Quarz. Was ist besser?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Beide Uhrentypen haben ihre ganz eigenen Stärken.
Eine Automatikuhr wird durch die Bewegung des Handgelenks aufgezogen und benötigt keine Batterie. Viele Uhrenliebhaber schätzen die traditionelle Mechanik, das fein arbeitende Uhrwerk und die Tatsache, dass hier hunderte kleiner Bauteile perfekt zusammenspielen. Eine mechanische Uhr vermittelt häufig ein ganz besonderes Gefühl, weil sie ausschließlich durch Präzision und Handwerkskunst funktioniert.
Eine Quarzuhr wird dagegen von einer Batterie angetrieben. Sie läuft in der Regel genauer, ist unkomplizierter im Alltag, zudem robuster und benötigt meist weniger Wartung. Wer einfach eine zuverlässige Uhr für jeden Tag sucht, macht mit einer hochwertigen Quarzuhr überhaupt nichts falsch.
Letztendlich entscheidet nicht die Frage, welche Technik besser ist, sondern welche Uhr am besten zu den eigenen Ansprüchen, Gewohnheiten und Erwartungen passt. Außerdem ist das Thema mit verschiedenen mechanischen und nicht mechanischen Antrieben abseits des klassischen Quarz- oder Automatikwerks äußerst vielschichtig und lässt sich weder kurz noch pauschal beantworten.
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Diese Frage wird mir in der Lounge besonders häufig gestellt und lässt sich leider nicht allein anhand des Gehäusedurchmessers beantworten.
Als grobe Orientierung für Herrenuhren gilt:
36 bis 39 mm: eher für schmalere Handgelenke
39 bis 42 mm: passt den meisten Trägern sehr gut
ab 42 mm: wirkt an größeren Handgelenken oft besonders harmonisch
Mindestens genauso wichtig wie der Gehäusedurchmesser ist allerdings der sogenannte Lug-to-Lug-Abstand, also die Länge der Uhr von Horn zu Horn. Zwei Uhren mit identischem Durchmesser können sich dadurch am Handgelenk völlig unterschiedlich tragen.
Auch die Bauhöhe, die Form der Hörner und das Armband beeinflussen den Gesamteindruck. Deshalb empfehle ich immer, eine Uhr nach Möglichkeit einmal live anzulegen. Größe, Proportionen und Tragegefühl lassen sich auf Fotos oft nur schwer beurteilen. Nicht zuletzt sollte aber immer der persönliche Geschmack entscheidend sein, sodass man sich mit seiner Uhr zu jeder Zeit wohl fühlt.
3. Wie wasserdicht muss eine Uhr sein?
Auch diese Frage gehört zu den absoluten Klassikern. Gleichzeitig gibt es kaum ein Thema, bei dem so viele Missverständnisse bestehen.
Viele Käufer gehen davon aus, dass eine Uhr mit 30 Metern Wasserdichtigkeit problemlos zum Schwimmen geeignet ist. Tatsächlich beziehen sich diese Angaben jedoch auf standardisierte Prüfdruckbedingungen und nicht auf die tatsächliche Tauchtiefe.
Als grobe Orientierung gilt:
3 ATM: Spritzwasser und Händewaschen
5 ATM: Alltag und gelegentlicher Wasserkontakt
10 ATM: Schwimmen problemlos möglich
20 ATM und mehr: auch für anspruchsvollere Wassersportarten geeignet
Wer regelmäßig schwimmen oder schnorcheln möchte, sollte deshalb mindestens zu einer Uhr mit 10 ATM Wasserdichtigkeit greifen. Wer tauchen möchte, sollte zusätzlich darauf achten, dass die Uhr ausdrücklich für diesen Einsatzzweck ausgelegt ist.
4. Muss ich eine Automatikuhr jeden Tag tragen?
Nein, absolut nicht.
Je nach Uhrwerk besitzt eine Automatikuhr eine Gangreserve von etwa 38 bis 80 Stunden. Natürlich gibt es auch Modelle außerhalb dieses Bereichs. Einige moderne Kaliber schaffen sogar deutlich mehr. Wird die Uhr in dieser Zeit nicht getragen, bleibt sie irgendwann stehen. Das ist vollkommen normal und kein Defekt.
Vor dem nächsten Tragen wird sie einfach wieder aufgezogen und die Uhrzeit neu eingestellt. Viele Sammler besitzen mehrere Uhren und wechseln regelmäßig zwischen ihnen. Auch dafür sind Automatikuhren problemlos geeignet. Das Thema Uhrenbeweger würde einen eigenen Blogbeitrag füllen und wird deshalb an dieser Stelle ausgespart.
5. Was bedeutet Gangreserve?
Die Gangreserve beschreibt die Zeit, die eine in der Regel mechanische Uhr nach einem vollständigen Aufzug weiterläuft, ohne erneut bewegt oder aufgezogen zu werden.
Je höher die Gangreserve ausfällt, desto länger bleibt die Uhr auch dann in Betrieb, wenn sie einmal ein oder zwei Tage nicht getragen wird. Besonders praktisch ist das für alle, die zwischen mehreren Uhren wechseln.
Heute bieten viele moderne Uhrwerke Gangreserven von 60 bis 80 Stunden oder sogar darüber hinaus.
6. Ist Saphirglas wirklich besser?
In den meisten Fällen lautet die Antwort ganz klar: Ja.
Saphirglas ist extrem kratzfest und bleibt selbst nach vielen Jahren meist nahezu makellos. Im normalen Alltag entstehen nur sehr selten Kratzer. Deshalb setzen die meisten hochwertigen Uhren inzwischen auf Saphirglas, auch wenn dieses leichter brechen kann als Mineralglas.
Mineralglas ist günstiger und ebenfalls robust. Vor allem ist es bruchsicherer als Saphirglas, kann jedoch im Laufe der Zeit leichter feine Kratzer bekommen. Ein häufig gewählter Mittelweg ist beschichtetes Mineralglas, das durch diese Beschichtung kratzfester wird.
Kunststoffgläser besitzen wiederum andere Vorteile, etwa bei historischen Modellen oder speziellen Einsatzzwecken, spielen im modernen Uhrenmarkt aber eine eher untergeordnete Rolle.
7. Warum kosten manche Uhren mehrere Tausend Euro?
Diese Frage höre ich besonders häufig von Menschen, die sich zum ersten Mal intensiver mit hochpreisigen, meist mechanischen Armbanduhren beschäftigen.
Der Preis setzt sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Dazu gehören unter anderem das Uhrwerk, die Qualität der Verarbeitung, aufwendig gefertigte Zifferblätter, kleinere Produktionsmengen, eventuelle Limitierungen, die Materialien von Gehäuse und Armband sowie eventuelle Komplikationen, also zusätzliche Funktionen, die mechanisch besonders anspruchsvoll umzusetzen sind. Hinzu kommen Forschung und Entwicklung.
Bei großen Marken spielt natürlich auch das Image eine wichtige Rolle, das durch aufwendige Marketingkampagnen aufgebaut und gepflegt wird. Dadurch können Uhren großer Luxuskonzernmarken allein deshalb häufig teurer sein als vergleichbare Modelle eines Micro- oder Indiebrands.
Hinzu kommen bei vielen Herstellern eine lange Unternehmensgeschichte, traditionelle Fertigungsmethoden und eine hohe Fertigungstiefe.
Teuer bedeutet allerdings nicht automatisch besser. Genauso wenig ist eine günstige Uhr automatisch schlechter. Entscheidend ist immer das Gesamtpaket.
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Ja, insbesondere bei mechanischen Uhren ist eine regelmäßige Wartung sinnvoll.
Je nach Hersteller und Nutzung empfiehlt sich ein Service etwa alle fünf bis sieben Jahre. Dabei wird das Uhrwerk vollständig zerlegt, gereinigt, neu geschmiert und anschließend wieder präzise eingestellt.
Davon ausgenommen sind natürlich Defekte oder Probleme, die kurzfristig auftreten und entsprechend behoben werden müssen. In diesem Fall empfiehlt es sich, zeitnah einen Termin bei einer Uhrmacherwerkstatt zu vereinbaren.
Eine regelmäßige Wartung sorgt dafür, dass die Uhr langfristig zuverlässig läuft und viele Jahrzehnte Freude bereitet.
9. Lohnt sich der Kauf bei einem Indie- oder Microbrand?
Aus meiner Sicht ganz klar: Ja.
Viele unabhängige Hersteller bieten heute eine beeindruckende Qualität, spannende Designs und eine Ausstattung, die man in dieser Preisklasse bei großen Marken nicht immer findet.
Hinzu kommt häufig ein sehr persönlicher Kontakt zu den Menschen hinter der Marke. Man merkt schnell, wie viel Leidenschaft in vielen dieser Projekte steckt.
Genau deshalb spielen Microbrands und Indiebrands bei flomp89 eine so wichtige Rolle und machen einen großen Teil meines Sortiments aus.
Das bedeutet natürlich nicht, dass große Marken automatisch schlechter sind. Im Gegenteil: Auch dort gibt es zahlreiche hervorragende Uhren. Microbrands und Indiebrands bieten jedoch häufig einen etwas anderen Ansatz und überraschen nicht selten mit einem außergewöhnlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
10. Sollte ich eine Uhr online oder lieber live kaufen?
Beides hat seine Vorteile.
Online lassen sich Modelle bequem vergleichen und Informationen in Ruhe nachlesen. Gleichzeitig können Fotos niemals das komplette Erlebnis ersetzen.
Eine Uhr wirkt am Handgelenk oft völlig anders als auf Produktbildern. Größe, Gewicht, Verarbeitung, Lichtreflexe und das Tragegefühl lassen sich erst beurteilen, wenn man sie tatsächlich in der Hand hält.
Genau deshalb ist die flomp89 Lounge entstanden. Dort kannst du Uhren ganz ohne Zeitdruck anschauen, anprobieren und vergleichen. Häufig merkt man erst dabei, welche Uhr einen wirklich begeistert.
In der Regel lässt sich jedoch sagen, dass ein Onlinekauf vor allem dann sinnvoll ist, wenn man bereits länger im Hobby ist und schon viele verschiedene Uhren live gesehen hat. Gerade Einsteiger profitieren häufig von einer persönlichen Beratung und der Möglichkeit, verschiedene Modelle direkt miteinander zu vergleichen.
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Weitere häufige Fragen rund um Armbanduhren kurz beantwortet
Ist eine Automatikuhr genauer als eine Quarzuhr?
Nein. Im Alltag laufen Quarzuhren in der Regel deutlich genauer als mechanische Uhren. Dafür begeistern Automatikuhren viele Uhrenliebhaber durch ihre aufwendige Technik, ihre traditionelle Funktionsweise und ihren ganz besonderen Charakter.
Kann ich mit einer Automatikuhr Sport treiben?
Grundsätzlich ja. Hochwertige Automatikuhren am geeigneten Armband sind für den normalen Alltag sowie für einige sportliche Aktivitäten problemlos geeignet. Bei sehr starken Erschütterungen, beispielsweise beim Mountainbiken im Gelände oder bei manchen Ballsportarten sowie beim Golfen, kann es jedoch sinnvoll sein, eine Quarzuhr oder spezielle Sportuhr zu tragen.
Wie lange hält eine Automatikuhr?
Bei regelmäßiger Wartung kann eine hochwertige Automatikuhr problemlos mehrere Jahrzehnte oder sogar Generationen überdauern. Nicht wenige mechanische Uhren sind heute über 50 Jahre alt oder sogar noch deutlich älter und funktionieren nach einer fachgerechten Revision noch immer zuverlässig.
Ist eine limitierte Uhr automatisch wertvoll?
Nein. Eine Limitierung allein macht eine Uhr noch nicht wertvoll. Entscheidend sind unter anderem die Nachfrage, die Bekanntheit der Marke, die tatsächliche Stückzahl, das Design sowie die langfristige Beliebtheit des jeweiligen Modells.
Sollte ich meine Uhr nachts ablegen?
Das bleibt ganz dir überlassen. Viele Menschen legen ihre Uhr vor dem Schlafengehen ab, andere tragen sie rund um die Uhr. Wichtig ist lediglich, dass die Uhr angenehm sitzt und dich nachts nicht stört.
Muss ich eine Automatikuhr von Hand aufziehen?
Die meisten modernen Automatikuhren können sowohl über den Rotor als auch von Hand über die Krone aufgezogen werden. Gerade wenn eine Uhr längere Zeit nicht getragen wurde, empfiehlt sich ein kurzer Handaufzug um sie „anzuschieben“, bevor sie wieder ans Handgelenk kommt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Microbrand und einer großen Uhrenmarke?
Microbrands und Indiebrands produzieren meist in deutlich kleineren Stückzahlen und arbeiten häufig unabhängiger als große Konzerne. Dadurch entstehen oft außergewöhnliche Designs, ein enger Kontakt zur Community und ein sehr interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Welche Uhr eignet sich als erste hochwertige Armbanduhr?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die erste hochwertige Uhr sollte vor allem zu deinem persönlichen Geschmack, deinem Budget und deinem Alltag passen. Häufig lohnt es sich, verschiedene Modelle live anzuprobieren und sich beraten zu lassen, bevor man eine Entscheidung trifft.
Mein Tipp
Der Kauf einer Armbanduhr sollte vor allem eines machen: Freude bereiten. Wer die wichtigsten Grundlagen kennt, findet deutlich leichter das Modell, das wirklich zu den eigenen Vorstellungen passt.
Und falls danach trotzdem noch Fragen offen sind, ist das völlig normal. Genau dafür gibt es den persönlichen Austausch. Ob online, per E-Mail oder in der flomp89 Lounge: Ich nehme mir gerne Zeit, um gemeinsam die passende Uhr zu finden. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass dies auch viele meiner Mitbewerber sowie die allermeisten Marken mit derselben Leidenschaft tun.
Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken der faszinierenden Welt der Armbanduhren.
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Mehr als nur ein Name
Der Name Vostok Europe sorgt bis heute regelmäßig für Verwirrung. Wer sich zum ersten Mal mit der Marke beschäftigt, geht nicht selten davon aus, dass es sich um den europäischen Ableger der russischen Uhrenmarke Vostok handelt oder zumindest eine enge Verbindung zwischen beiden Unternehmen besteht. Tatsächlich liegt genau hier eines der größten Missverständnisse.
Vostok Europe ist bereits immer eine eigenständige Uhrenmarke mit Sitz im litauischen Vilnius. Mit rund 30 Mitarbeitenden sowie knapp 4 Millionen Euro Jahresumsatz geht die Marke nun seit mehr als zwanzig Jahren konsequent ihren eigenen Weg. Lediglich zu Beginn profitierte Vostok Europe vom Know-How und den Uhrwerken, welche Vostok lieferte, war aber zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Art und Weise wirtschaftlich abhängig oder in die dortigen Firmenstrukturen eingegliedert. Statt russischer Uhrwerke setzt Vostok Europe heute vollständig auf moderne Kaliber aus Japan, kombiniert diese mit Schweizer Tritium-Technologie und entwickelt daraus eigenständige Uhren, die in der eigenen Werkstatt in Litauen montiert, geprüft und getestet werden.
Doch wer Vostok Europe ausschließlich über diesen Unterschied definiert, wird der Marke nicht gerecht. Denn die eigentliche Stärke liegt meiner Meinung nach an einer ganz anderen Stelle.
Während zahlreiche Hersteller versuchen, möglichst viele Geschmäcker gleichzeitig anzusprechen, verfolgt Vostok Europe seit der Gründung eine ganz klare Linie. Die Uhren sollen nicht jedem unbedingt gefallen und dabei möglichst filigran wirken oder sich unauffällig unter der Hemdmanschette verstecken lassen. Stattdessen stehen robuste Konstruktionen, markante Designs und ein hoher Wiedererkennungswert im Mittelpunkt. Große Gehäuse, eine massive Verarbeitung und Funktionen, die sich auch unter anspruchsvollen Bedingungen bewähren sollen, gehören deshalb seit vielen Jahren fest zur DNA von Vostok Europe.
Genau dieser Ansatz macht die Marke in meinen Augen auch innerhalb der Welt der Microbrands und unabhängigen Uhrenmarken besonders interessant. Vostok Europe orientiert sich kaum an aktuellen Designtrends, sondern entwickelt die eigenen Kollektionen konsequent entlang eines eigenständigen Konzepts. Jede Modellreihe erzählt dabei ihre komplett eigene Geschichte.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb Vostok Europe in der Uhrenwelt bis heute eine gewisse Sonderstellung einnimmt. Viele der Modelle polarisieren durchaus. Nicht jeder sucht eine Uhr mit 46 oder 47 Millimetern Durchmesser oder einer bewusst farbenfrohen Gestaltung. Gleichzeitig gibt es aber viele Uhrenfans, die genau diese Eigenständigkeit schätzen und sich bewusst für eine Marke entscheiden, die nicht wie viele andere versucht, das altbekannte Design diverser Klassiker aufzunehmen.
Auch ich beschäftige mich inzwischen seit einiger Zeit intensiver mit Vostok Europe und hatte bereits die Gelegenheit, verschiedene Modelle näher kennenzulernen. Im Austausch mit der P. Maier GmbH, dem langjährigen Generalimporteur für Deutschland sowie meinem Ansprechpartner rund um die Marke, wurde dabei schnell deutlich, wie viel Entwicklungsarbeit und Überlegung hinter den einzelnen Kollektionen steckt. Vieles erschließt sich nämlich erst auf den zweiten Blick, sei es die Geschichte hinter einem Modellnamen, die Wahl bestimmter Materialien oder technische Details, die konsequent auf den vorgesehenen Einsatzzweck abgestimmt werden.
Grund genug also, einmal nicht nur einzelne Modelle vorzustellen, sondern einen genaueren Blick auf die Marke selbst zu werfen. Wie ist Vostok Europe entstanden? Wofür steht die Marke heute? Und warum hat sie sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihren ganz eigenen Platz innerhalb der internationalen Uhrenlandschaft erarbeitet?
Zu sehen ist hier eine Vostok Europe Energia 2 Rocket Automatik NH34. Fotoquelle: Vostok Europe.Ein Lumenshot der Vostok Europe N1 Rocket GMT Automatik NH34. Fotoquelle: Vostok Europe.
Von Vilnius in die internationale Uhrenwelt
Die Geschichte von Vostok Europe beginnt im Jahr 2003 in Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Ziel der neu gegründeten Koliz Vostok Company war es, Uhren zu entwickeln, die modernes europäisches Design mit einer robusten technischen Basis verbinden. In den Anfangsjahren entstanden die ersten Modelle noch in Kooperation mit dem russischen Hersteller Vostok, dessen speziell angepasste Uhrwerke exklusiv für Vostok Europe modifiziert wurden. Bereits damals war jedoch klar, dass die Marke nicht einfach bestehende Modelle übernehmen, sondern eine eigene Identität entwickeln wollte.
Schon kurze Zeit nach der Gründung präsentierte Vostok Europe auf der Baselworld 2004 die erste eigene Kollektion. Bereits damals fiel auf, dass die Marke einen ungewöhnlichen Weg einschlagen würde. Statt Kollektionen nach Fantasiebegriffen oder klassischen Modellbezeichnungen zu benennen, ließ man sich von bedeutenden technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften inspirieren. Ein Konzept, das sich bis heute durch nahezu jede Modellreihe zieht und inzwischen zu einem der wichtigsten Wiedererkennungsmerkmale der Marke geworden ist.
Auch die internationale Entwicklung ließ nicht lange auf sich warten. In den ersten Jahren wurden die Uhren unter anderem nach Deutschland, Polen, Griechenland und in die USA exportiert. Das Händlernetz wuchs kontinuierlich und erreichte schon wenige Jahre später zahlreiche Länder in Europa, Nordamerika und Asien. Gleichzeitig investierte das Unternehmen in den Ausbau der eigenen Räumlichkeiten und schuf in Vilnius eine Fertigung, in der die Uhren bis heute montiert, reguliert, geprüft und umfangreichen Qualitätskontrollen unterzogen werden.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein folgte 2009 in Form der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen mb-microtec. Dessen Tritium-Technologie prägt viele Modelle von Vostok Europe bis heute und gehört mittlerweile zu den Merkmalen, die zahlreiche Uhrenfans unmittelbar mit der Marke verbinden. Etwas später folgte die Einführung der ersten Taucheruhren mit einer Wasserdichtigkeit von bis zu 300 Metern sowie der Wechsel auf die auch heute noch verbauten japanischen Uhrwerke. Seit 2014 verwendet Vostok Europe ausschließlich Kaliber renommierter Hersteller wie Seiko Instruments, Seiko Epson und Citizen Miyota.
Parallel entwickelte sich auch die Markenphilosophie immer weiter. Schon 2011 führte Vostok Europe den bis heute verwendeten Leitsatz „Watches for Going to Extremes“ ein. Anders als bei vielen Herstellern blieb dieser Satz jedoch nicht bloß ein Werbeslogan. Zahlreiche Modelle wurden im Laufe der Jahre unter realen Bedingungen bei verschiedensten Einsatzgelegenheiten getestet. Sei es bei der Rallye Dakar, in Höhlenexpeditionen, in der Stratosphäre (in 16.680 m Höhe) oder im professionellen Taucheinsatz. Hinzu kamen Kooperationen mit Extremsportlern, Piloten, Tauchern sowie militärischen Einheiten, deren Erfahrungen bei der Weiterentwicklung einzelner Modelle dann ihre Berücksichtigung haben finden können.
Auch in den vergangenen Jahren blieb die Marke ihrer Linie treu. Spannende Gehäusematerialien wie Titan oder Bronze erweiterten das Portfolio ebenso wie Solaruhren, limitierte Sondereditionen oder Jubiläumsmodelle mit außergewöhnlichen Zifferblättern wie beispielsweise Varianten aus echtem Meteoritenmaterial oder Perlmutt. Trotz aller Weiterentwicklungen ist die Grundidee jedoch unverändert geblieben: Vostok Europe möchte keine möglichst beliebigen Alltagsuhren entwickeln, sondern charakterstarke Zeitmesser, die Geschichten erzählen und für anspruchsvolle Einsätze konzipiert sind.
Genau diese Kontinuität finde ich bemerkenswert. Viele Marken verändern ihre Ausrichtung im Laufe der Jahre mehrfach oder folgen stets aktuellen Trends. Vostok Europe dagegen hat seine ursprüngliche Idee konsequent sowie zeitgemäß weiterentwickelt und dabei eine unverwechselbare Markenidentität geschaffen, die heute stärker denn je aus der Masse an Uhrenmarken herausstechen kann.
Ein Blick in die Vostok Europe Uhrmacherabteilung aus der Anfangszeit des Unternehmens. Fotoquelle: Vostok EuropeSo sieht es heutzutage bei den Uhrmachern von Vostok Europe aus. Fotoquelle: Vostok Europe.
Eine Designsprache mit Wiedererkennungswert
Betrachtet man also das aktuelle Portfolio von Vostok Europe, fällt wie schon gesagt relativ schnell auf, dass die Marke seit vielen Jahren eine sehr konsequente Designsprache verfolgt. Viele Modelle wirken auf den ersten Blick groß, robust und markant. Genau das ist zwar der Fall, doch es steckt noch einiges mehr dahinter.
Alleine rein optisch kann nicht jede markante, große Uhr jedem Uhrenfan am Handgelenk gleich gut gefallen. Die Marke versucht nicht, möglichst riesige Massen an Menschen anzusprechen, sondern entwickelt Uhren mit einem klaren Charakter. Wer eine filigrane Dresswatch sucht, wird sich vermutlich bei anderen Herstellern wohler fühlen. Wer dagegen Freude an eigenständigen Werkzeuguhren mit hoher Präsenz am Handgelenk hat, dürfte sich im Portfolio von Vostok Europe deutlich schneller wiederfinden.
Auffällig ist außerdem, dass nahezu jede Kollektion ihre eigene Geschichte erzählt. Die Kollektion Batiscafos ist mit ihrem Namen angelehnt an zwei griechische Wörter, die für „tief“ und „Schiff“ stehen und repräsentiert den unermüdlichen Drang der Menschen das Unbekannte zu erforschen bspw. bei Expeditionen mit Tauchbooten im Marianengraben. Die Energia hingegen ist angelehnt an die sowjetische Schwerlastrakete und die N1 Rocket an eines der ambitioniertesten Raumfahrtprojekte ihrer Zeit. Andere Modellreihen wie die Expedition North Pole oder Expedition South Pole greifen den Gedanken von Entdeckungsreisen und extremen Umweltbedingungen auf, während Kollektionen wie Anchar oder Anglerfish ihre Inspiration aus der Welt professioneller Taucher und maritimer Technik beziehen. Die Vilnelė Kollektion hingegen ist benannt nach dem kleinen lebhaften Fluss, der sich durch das Herz von Vinius schlängelt.
Gerade dieser rote Faden gefällt mir persönlich sehr gut. Die Modelle unterscheiden sich nicht nur durch die Größe des Gehäuses, Farben oder durch unterschiedliche Zifferblätter. Jedes Modell besitzt jeweils einen ganz eigenen Hintergrund. Beschäftigt man sich etwas intensiver mit der Marke, entdeckt man immer wieder kleine Details, deren Gestaltung auf die jeweilige Inspirationsquelle zurückzuführen ist. Das können Zeigerformen sein, Gehäuseelemente oder auch Gravuren auf dem Gehäuseboden.
Zu diesem Gesamtkonzept passt auch das Zubehör. Die Modelle werden in der charakteristischen Dry Box ausgeliefert, einer robusten und wasserresistenten Aufbewahrungsbox aus Polycarbonat. Anders als aufwendig gestaltete Verpackungen, die nach dem Kauf häufig im Schrank verschwinden, besitzt sie durchaus einen praktischen Nutzen und eignet sich beispielsweise auch zur sicheren Aufbewahrung der Uhr auf Reisen oder bei Outdoor-Aktivitäten. Häufig gehören zudem zusätzliche Armbänder oder Werkzeug zum Lieferumfang, sodass sich die Uhren mit wenigen Handgriffen an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen lassen.
Preislich bewegt sich Vostok Europe überwiegend im Bereich zwischen rund 350 Euro und 900 Euro und richtet sich damit sowohl an ambitionierte Einsteiger als auch an erfahrene Sammler, die eine eigenständige Uhr abseits des Mainstreams suchen.
Für mich zeigt sich durch die Eigenständigkeit der Uhren und das durchdachte Gesamtkonzept die vielleicht größte Stärke von Vostok Europe. Die Marke entwickelt nicht einfach einzelne Uhren, sondern schafft komplette Produktkonzepte, bei denen Design, Ausstattung und Hintergrundgeschichte ineinandergreifen ohne, dass das Preisgefüge dadurch derart ausufert, dass die potenzielle Zielgruppe deswegen deutlich schrumpfen würde.
Auf diesem Bild ist das Modell Vostok Europe Batiscafos Chrono 6S21 am mehrgliedrigen Stahlband zu sehen. Fotoquelle: Vostok Europe.Der Vostok Europe Vilnelė Chrono wird durch ein japanisches Quarzuhrwerk zuverlässig angetrieben. Fotoquelle: Vostok Europe.Hier seht ihr eine Drybox XL. Fotoquelle: Vostok Europe.
Flexibilität, die man nicht bei jeder Uhrenmarke findet
Neben den regulären Kollektionen bietet Vostok Europe noch einen Bereich, der meiner Meinung nach deutlich weniger bekannt ist, als er es eigentlich sein sollte. Die Marke beschränkt sich nämlich nicht ausschließlich auf die Entwicklung klassischer Serienmodelle, sondern ermöglicht auch ganz offen die Umsetzung individueller Sondereditionen.
Bereits ab vergleichsweise kleinen Stückzahlen können Uhren an die Wünsche von Unternehmen, Vereinen, Organisationen, Sammlerclubs oder Veranstaltern angepasst werden. Je nach Projekt sind beispielsweise individuelle Zifferblätter, aufwändige Gravuren auf dem Gehäuseboden, unterschiedliche Armbandvarianten und weitere Individualisierungsmöglichkeiten machbar. Dadurch entstehen regelmäßig exklusive Editionen mit einem ganz eigenen Charakter, die sich klar von den regulären Serienmodellen unterscheiden.
Gerade in der Welt unabhängiger Uhrenmarken ist diese Flexibilität durchaus bemerkenswert. Während Individualisierungen bei vielen Herstellern erst ab deutlich höheren Stückzahlen wirtschaftlich umsetzbar sind, zeigt sich Vostok Europe hier vergleichsweise offen für kleinere Projekte. Das eröffnet interessante Möglichkeiten, sei es für Firmenjubiläen, Vereine, Motorsportteams, Expeditionen, Sammlerstammtische aus der Uhrencommunity oder besondere Anlässe, bei denen eine individuelle Uhr weit mehr sein soll als nur ein klassischer Werbeartikel.
Auch für den deutschsprachigen Raum profitieren Händler und Kunden von kurzen Wegen. Die bereits oben im Text kurz erwähnte P. Maier GmbH betreut Vostok Europe seit vielen Jahren als Generalvertretung für Deutschland und steht sowohl Fachhändlern als auch Endkunden als direkter Ansprechpartner zur Verfügung. Gerade bei einer unabhängigen Marke ist eine zuverlässige Betreuung vor Ort aus meiner Sicht ein nicht zu unterschätzender Vorteil. So können in der Regel Servicefragen, Anliegen bezüglich eventueller Ersatzteile oder eben auch Anfragen zu zukünftigen Sonderprojekten schnell und unkompliziert geklärt werden.
Genau diese Kombination aus charakterstarken Serienkollektionen und der Möglichkeit, individuelle Editionen umzusetzen, ist in meinen Augen ein weiterer Baustein dafür, weshalb sich Vostok Europe in den vergangenen Jahren eine so treue Fangemeinde hat aufbauen können. Die Marke bleibt ihrer eigenen Identität treu und bietet gleichzeitig Spielraum für Projekte, die weit über eine klassische Serienproduktion hinausgehen.
Die mit Juwelier Friedrich aus Schleiz umgesetzte „Schleizer Rennsportuhr 2026“. Fotoquelle: Vostok Europe.
Mein Eindruck von Vostok Europe
Vostok Europe gehört für mich zu den Marken, die man nicht nach wenigen Bildern oder anhand eines Datenblatts beurteilen sollte. Viele Modelle wirken auf den ersten Blick bewusst außergewöhnlich und gehen gestalterisch ihren ganz eigenen Weg. Genau darin liegt aber auch ein großer Teil ihres Reizes.
Über mehr als zwei Jahrzehnte hat sich die Marke nun eine klare Identität aufgebaut, ohne dabei jedem Trend hinterherzulaufen. Stattdessen setzt Vostok Europe konsequent auf Uhren mit Charakter, die sich von vielen klassischen Sport- oder Taucheruhren bewusst unterscheiden. Dabei geht es nicht nur um robuste Konstruktionen oder auffällige Designs, sondern vor allem um die Geschichten, die hinter den einzelnen Kollektionen stehen. Genau diese Verbindung aus Technik, Historie und eigenständiger Gestaltung sorgt dafür, dass die Modelle oft einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.
Natürlich wird nicht jede Uhr von Vostok Europe auch automatisch direkt jedem Uhrenfan gefallen. Die Gehäuse fallen häufig größer aus als der aktuelle Durchschnitt und auch das Design polarisiert teilweise bewusst. Gleichzeitig ist genau das aus meiner Sicht ein durchaus wichtiges Alleinstellungsmerkmal Marke. Vostok Europe versucht nicht, möglichst beliebig zu sein oder bekannte Klassiker nah am Original zu interpretieren, sondern entwickelt seit vielen Jahren konsequent Uhren mit einer ganz eigenen Handschrift.
Gerade innerhalb der sehr vielschichtigen Welt der Microbrands und unabhängigen Uhrenmarken ist das heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Wer auf der Suche nach einer Uhr ist, die nicht an jeder Ecke zu sehen ist und dabei dennoch eine spannende Geschichte erzählt, sollte sich die Marke deshalb meiner Meinung nach unbedingt einmal genauer anschauen und die Uhren möglichst live erleben.
Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, Vostok Europe durch das Schreiben dieses Artikels und die Teilnahme der Marke bei der diesjährigen Uhrphoria deutlich besser kennen gelernt zu haben und freue mich auf viele weitere gemeinsame Projekte für die Uhrencommunity.
Am 06.06.2026 war es endlich soweit: Die Uhrphoria ging in die dritte Runde. Nach vielen Wochen der Planung, unzähligen Telefonaten, E-Mails, Abstimmungen und Vorbereitungen öffneten sich die Türen des Fahr-Werks in Groß-Zimmern für einen Tag, der ganz im Zeichen der gemeinsamen Leidenschaft für Uhren stand.
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Bereits am Vormittag begann für Aussteller und Helfer der Aufbau. Tische wurden positioniert, Uhren arrangiert, Banner aufgestellt und die letzten Details abgestimmt. Während die Aussteller ihre Präsentationen vorbereiteten, wurden Technik, Beschilderung und Verpflegung für den Tag aufgebaut.
Gegen 14:00 Uhr trafen dann die ersten Gäste ein und schnell wurde deutlich, worauf sich viele seit Wochen gefreut hatten: einen Nachmittag und Abend voller Uhren, Gespräche und Begegnungen mit Gleichgesinnten. Mit jeder Stunde füllte sich die Location mehr und mehr mit Menschen, die alle eines gemeinsam hatten: die Begeisterung für Zeitmesser.
16 Marken und Aussteller unter einem Dach
Insgesamt waren in diesem Jahr 16 Marken und Aussteller vertreten. Der Schwerpunkt lag wie gewohnt auf spannenden Microbrands und unabhängigen Herstellern, die man nicht an jeder Ecke findet.
Ein Blick von oben auf die Chillout-Area sowie Teile der Ausstellungsfläche. Highlights wie ein Retrogame-Automat machten den Tag spannend und abwechslungsreich sowohl für die kleinen als auch für die großen Gäste. Fotoquelle: Marius Junker
Mit dabei waren unter anderem Heinrich Watches, Frederique Constant, Alpina, Pierre Lannier, 1977, VANDAAG und Bombfrog. Jede Marke brachte ihren eigenen Charakter mit und zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die heutige Uhrenlandschaft geworden ist.
Besonders gefreut hat mich die Internationalität der vertretenen Marken. Die Aussteller kamen aus Deutschland, Frankreich, Polen und der Schweiz und machten die Uhrphoria damit auch über die Landesgrenzen hinaus zu einem spannenden Treffpunkt für Uhrenfans. Darüber hinaus konnten die Besucher auch einen Blick über den Tellerrand werfen. Das Autohaus Hedtke war mit verschiedenen Modellen von Lynk & Co vertreten und zeigte, dass modernes Design und innovative Konzepte nicht nur in der Uhrenwelt zu finden sind.
Eine weitere Bereicherung war Juwelier Techel aus dem Loop 5, der Marken wie Breitling, Oris und Tag Heuer oder Ebel präsentierte und damit einen spannenden Kontrast zu vielen der kleineren Hersteller bildete.
Mit Leon von ChronoRestore war zudem ein Uhrmacher vor Ort, der interessante Einblicke in seine Arbeit gab und für viele spannende Gespräche rund um Service, Reparaturen und die technische Seite unseres Hobbys sorgte.
Community statt klassische Messe
Was die Uhrphoria für mich besonders macht, ist die familienfreundliche Atmosphäre. Natürlich geht es um Uhren. Natürlich werden technische Details diskutiert, Werke verglichen und Neuheiten begutachtet. Doch im Mittelpunkt stehen die Menschen.Viele Besucher kennen sich bereits von früheren Events, aus der flomp89 Lounge, von YouTube oder aus den sozialen Medien. Andere waren zum ersten Mal dabei. Trotzdem dauerte es meist nur wenige Minuten, bis man miteinander ins Gespräch kam.
Beim Betreten der Veranstaltungshalle begrüßten bereits der Stand von ChronoRestore und dem Autohaus Hedtke die interessierten Besucherinnen und Besucher. Fotoquelle: Marius Junker
Genau dieser offene Austausch macht für mich den Unterschied. Die Uhrphoria soll keine klassische Verkaufsmesse sein. Sie soll ein Treffpunkt für Menschen sein, die dieselbe Leidenschaft teilen.
Uhren zum Anfassen und Erleben
Ein großer Vorteil des Events ist die Möglichkeit, Uhren nicht nur auf Bildern oder in Videos zu sehen, sondern direkt am Handgelenk zu erleben.
Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, verschiedene Modelle miteinander zu vergleichen, Fragen direkt an die Hersteller zu stellen und sich einen Eindruck von Verarbeitung, Tragekomfort und Design zu verschaffen. Immer wieder hörte man Sätze wie: „Die wirkt in echt ganz anders als auf Fotos“ oder „Mit der Größe hätte ich gar nicht gerechnet.“
Genau diese Erfahrungen kann kein Onlineshop und kein Video vollständig ersetzen.
Der flomp89 Stand und viele bekannte Gesichter
Natürlich war auch die flomp89 Lounge selbst mit einem eigenen Stand vertreten. Neben aktuellen Modellen aus dem Sortiment gab es zahlreiche Gespräche mit Kunden, Zuschauern, Herstellern und Freunden aus der Community.
Besonders gefreut hat mich, wie viele bekannte Gesichter den Weg nach Groß-Zimmern gefunden haben. Gleichzeitig durfte ich bei rund 140 Teilnehmern auch zahlreiche neue Gäste begrüßen. Für mich ist das ein besonders schönes Zeichen, dass unser Hobby lebt und die Community stetig wächst.
Interessierter Austausch an den Ständen der verschiedenen Aussteller. Fotoquelle: Marius Junker
Einige Besucher nehmen inzwischen weite Anreisen in Kauf, um bei der Uhrphoria dabei zu sein. Das ist alles andere als selbstverständlich und zeigt mir immer wieder, welche besondere Gemeinschaft in den vergangenen Jahren entstanden ist. Auch der Uhrenclub Westerwald war vor Ort und sorgte mit vielen spannenden Gesprächen und einem durchaus beeindruckenden Fachwissen im Bereich er Armbanduhren für zusätzliche Begeisterung.
Rund 30 verkaufte Uhren und unzählige Gespräche
Natürlich wurden auch Uhren verkauft. Es ist jedem Aussteller freigestellt ob bzw. wie er oder sie die eigenen Uhren verkaufen möchte. Nach meiner Einschätzung wechselten im Laufe des Tages etwas mehr als 30 Uhren direkt vor Ort oder im direkten Nachgang den Besitzer. Dazu kommen zahlreiche Kontakte, Anproben und Gespräche, aus denen sicherlich auch in den Wochen nach dem Event noch Bekanntschaften, Freundschaften und vielleicht sogar Verkäufe entstehen werden.
Mindestens genauso wichtig waren jedoch die vielen Gespräche zwischen Besuchern, Ausstellern und Sammlern. Oft ging es dabei gar nicht um konkrete Kaufentscheidungen, sondern einfach um die gemeinsame Begeisterung für unser faszinierendes Hobby.
Die Uhrphoria in Zahlen
Sechs Stunden Eventdauer, 16 Aussteller, zwei Fahrzeuge von Lynk & Co, rund 140 Personen inklusive Aussteller, Essen und Getränke über den gesamten Veranstaltungstag hinweg sowie rund 200 Gigabyte an eigenem Foto- und Videomaterial zeigen, welchen Umfang die Uhrphoria inzwischen erreicht hat.
Gerade die vielen Fotos, Videos, Interviews, Wristshots und Eindrücke werden mich und die Community noch lange nach dem Event begleiten und in den kommenden Wochen nach und nach ihren Weg in Videos, Beiträge und Erinnerungen finden.
Fazit
Wenn ich auf die Uhrphoria 2026 zurückblicke, dann sehe ich nicht zuerst die Anzahl der Besucher, die Verkaufszahlen oder die Marken.
Ich sehe Menschen, die gemeinsam ihrer Leidenschaft für Armbanduhren nachgehen. Ich sehe Hersteller, die sich Zeit für Gespräche nehmen. Ich sehe Sammlerinnen und Sammler, die sich intensiv über ihre Uhren austauschen. Und ich sehe Familien, die einen entspannten Tag miteinander verbringen. Mit rund 140 Teilnehmern, 16 Marken und Ausstellern sowie einer großartigen Atmosphäre war die Uhrphoria 2026 für mich ein voller Erfolg.
Mein Dank gilt allen Besuchern, Ausstellern, Helfern und Unterstützern, die diesen Tag möglich gemacht haben. Ihr seid der Grund, warum aus einer losen Idee inzwischen ein echtes familienfreundliches Community-Event im Uhrenbereich geworden ist.
In der heutigen Uhrenwelt wird vieles immer extremer. Größere Gehäuse, auffälligere Designs, unerwartete Kooperationen und immer neue Versuche, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Genau deshalb wirken Marken wie Zeppelin fast schon angenehm entschleunigt. Die Uhren setzen nicht auf maximale Inszenierung, sondern auf klassische Gestaltung, historische Einflüsse und ein insgesamt sehr zugängliches Gesamtbild. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum die Marke für viele Menschen bis heute interessant geblieben ist.
Wer sich etwas intensiver mit Zeppelin beschäftigt, merkt relativ schnell, dass die Marke nicht einfach nur über den bekannten Namen funktioniert. Natürlich spielt die Verbindung zur historischen Luftfahrt eine große Rolle, doch die Uhren leben vor allem von ihrer ganz eigenen Atmosphäre. Viele Modelle wirken bewusst klassisch, fast schon ein wenig nostalgisch, ohne dabei altmodisch zu erscheinen. Genau dieses Gefühl zieht sich seit Jahren durch die Kollektion und sorgt dafür, dass Zeppelin trotz enormer Konkurrenz weiterhin einen festen Platz in der Uhrenwelt hat.
Die Geschichte hinter PointTec und der Fertigung
Hinter Zeppelin steht dabei die Firma PointTec aus Ismaning bei München. Gegründet wurde PointTec bereits 1988 von Willi Birk mit dem Ziel, bezahlbare Uhren mit europäischem Charakter anzubieten. Gerade in einer Zeit, in der viele traditionelle Hersteller unter den Nachwirkungen der Quarzkrise litten, war das ein durchaus spannender Ansatz. Seit 2002 werden schließlich Uhren unter dem Namen Zeppelin produziert und bis heute im thüringischen Ruhla gefertigt.
Was ich an Zeppelin persönlich spannend finde, ist die Art, wie die Marke mit Geschichte umgeht. Viele Hersteller versuchen heute zwanghaft Vintage Gefühle zu erzeugen. Bei Zeppelin wirkt das Ganze meistens deutlich natürlicher. Die Uhren orientieren sich klar an klassischen Instrumenten und historischen Designs, sowie dem „Kult“ um Zeppeline und ihre Passagiere, wirken dabei aber nicht wie reine Kostümuhren oder künstliche Retro-Produkte. Genau diese Mischung aus Alltagstauglichkeit, klassischer Gestaltung, zugänglicher Mechanik und einem breiten Preisspektrum macht die Marke für viele Menschen aus der Uhrencommunity interessant.
Drei Modelle, die die Marke gut zeigen
100 Jahre Zeppelin Chronograph (Ref. 7680MB3)
Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der 100 Jahre Zeppelin Chronograph mit dunkelblauem Zifferblatt in der Referenz 7680MB3. Die Uhr verbindet historischen Charme mit einer deutlich sportlicheren Ausstrahlung. Das im Durchmesser 42 Millimeter große Edelstahlgehäuse mit einer Höhe von rund 13 Millimetern wirkt präsent, bleibt dabei aber angenehm tragbar. Besonders gelungen ist aus meiner Sicht das dunkelblaue Zifferblatt, das trotz des Chronographs, Tachymeter, Telemeter und Alarmfunktion überraschend ruhig wirkt. Im Inneren arbeitet ein zuverlässiges Schweizer Quarzwerk von Ronda. Mit einem Listenpreis von 399 Euro bekommt man hier einen Chronographen mit eigenständigem Charakter und erstaunlich vielen Funktionen.
Zeppelin Friedrichshafen (Ref. 85625)
Deutlich klassischer und zurückhaltender zeigt sich dagegen die Friedrichshafen mit Tag und Datumsanzeige in der Referenz 85625. Genau solche mechanischen Modelle zeigen für mich sehr gut, warum Zeppelin für viele Menschen ein interessanter Einstieg in die Welt mechanischer Armbanduhren sein kann. Die Kombination aus dem im Durchmesser 40 Millimeter messenden Edelstahlgehäuse mit einer Höhe von rund 12 Millimetern, dem warmen silber/goldenen Zifferblatt mit Clou de Paris Struktur und dem durch einen Glasboden sichtbaren Miyota Automatikwerk sorgt für eine angenehm klassische Wirkung, welche durch das verwendete Lederband noch verstärkt wird. Mit 349 Euro im Listenpreis bleibt die Friedrichshafen dabei im einem Preisbereich, der für viele Uhrenfans noch gut erreichbar ist.
Zeppelin Méditerranée (Ref. 96903)
Die technisch präsenteste und teuerste Uhr dieser kleinen Auswahl von Zeppelin ist die Méditerranée mit Gangreserveanzeige in der Referenz 96903. Hier merkt man sofort, dass die Uhr etwas mehr Mechanik zeigen möchte als die bereits präsentierten Modelle. Das intensiv blaue Zifferblatt mit den goldfarbenen Zahlen wirkt hochwertig und auffällig, ohne dadurch überladen zu sein. Im Inneren arbeitet das Miyota P9110 Automatikwerk mit Gangreserveanzeige sowie weiteren spannenden mechanischen Komplikationen, die der Uhr zusätzlich einen spürbar technischen Charakter verleihen. Mit 42 Millimetern im Durchmesser sowie einer Höhe von rund 14 Millimetern bringt das Edelstahlgehäuse der Uhr etwas mehr Präsenz ans Handgelenk, bleibt insgesamt aber elegant genug für viele unterschiedliche Situationen. Preislich liegt sie bei 499 Euro Listenpreis und zeigt das viel Mechanik in einer Armbanduhr nicht immer auch verhältnismäßig viel Geld kosten muss.
Warum Zeppelin funktioniert
Und genau das fasst Zeppelin aus meiner Sicht eigentlich ziemlich gut zusammen. Die Marke versucht nicht, künstlich luxuriös oder unerreichbar zu wirken. Stattdessen bekommt man ehrliche Uhren mit eigenständigem Charakter, klassischer Gestaltung und solider Technik in einem Preisbereich, der für viele von uns durchaus sehr realistisch erreichbar ist. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum Zeppelin seit Jahren konstant funktioniert. Diese Uhren wollen keine Statussymbole sein. Sie wollen einfach gute Begleiter für Menschen sein, die Freude an klassischen Designs, Mechanik und einem Stück deutscher Uhrengeschichte haben.
Manchmal merkt man bei einer neuen Modellgeneration relativ schnell, ob eine Marke einfach nur etwas Neues veröffentlichen möchte oder ob tatsächlich sinnvoll weiterentwickelt wurde. Genau das ist für mich bei der neuen Heinrich Helicoprion Buzzsaw MKII der entscheidende Punkt.
Ich kenne Wolfgang Heinrich inzwischen seit vielen Jahren und habe bereits 2024 die erste Version der Helicoprion Buzzsaw reviewed. Seitdem hat sich bei Heinrich einiges getan und genau diese Entwicklung spürt man auch bei der neuen Helicoprion Buzzsaw MKII sofort. Besonders spannend ist das Ganze für mich auch deshalb, weil ich selbst seit längerer Zeit eine Helicoprion mit Lapis Lazuli Edelsteinzifferblatt besitze und die Modelle dadurch nicht nur oberflächlich kenne, sondern wirklich über längere Zeit hinweg getragen habe.
Umso mehr hat es mich gefreut, die neue Buzzsaw MKII jetzt erneut ausführlich anzuschauen, zu filmen und natürlich auch in der flomp89 Lounge beziehungsweise im Onlineshop anbieten zu können.
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Die neue Buzzsaw MKII bleibt auf den ersten Blick ganz klar eine Helicoprion „Buzzsaw“. Genau das ist meiner Meinung nach auch richtig so. Das markante Sägeblattmuster auf dem Zifferblatt bleibt weiterhin das zentrale Designelement dieser Serie und sorgt dafür, dass sich die Uhr deutlich von vielen klassischen Diver Konzepten unterscheidet.
Die Helicoprion Buzzsaw MKII hier in der Variante mit dem Zifferblatt in Orange. Bildquelle: Marius Junker
Besonders spannend wirkt das radial gebürstete Blatt im Licht. Durch die Struktur entsteht permanent Bewegung auf dem Zifferblatt und genau das macht den Charakter dieser Uhr aus. Sie wirkt technisch, sportlich und gleichzeitig eigenständig, ohne dabei überladen zu wirken. Auch den 70er Jahre Charme hat Wolfgang Heinrich hier wieder perfekt unterbringen können.
Aktuell gibt es drei Farbvarianten. Grau und Blau kennt man bereits aus der ersten Generation. Neu hinzugekommen ist jetzt zusätzlich die orangene Version. Eine Farbgebung die der Uhr noch einmal einen deutlich frischeren und sommerlicheren Look gibt. Gerade diese neue Variante hat mich live wirklich positiv überrascht, weil sie auffällig ist, ohne unangenehm laut zu werden.
Das neue Gehäuse macht einen echten Unterschied
Die wahrscheinlich wichtigste Veränderung der MKII betrifft das Gehäuse. Auf dem Papier lesen sich die Maße zunächst relativ ähnlich, am Handgelenk wirkt die Uhr allerdings deutlich ausgewogener als die ursprüngliche Variante.
Ein genauer Blick auf die Buzzsaw MKII mit dem blauen Zifferblatt. Bildquelle: Marius Junker
Mit 40,5 Millimetern Durchmesser, 10,5 Millimetern Höhe inklusive Glas und 48 Millimetern Lug to Lug bewegt sich die Uhr jetzt in einem Bereich, der für sehr viele Handgelenke hervorragend funktioniert. Vor allem sorgt die neue Gehäusedimension nun dafür, dass die Uhr insgesamt noch harmonischer wirkt.
Das Edelstahlgehäuse kombiniert gebürstete Flächen mit polierten Kanten und erzeugt dadurch eine schöne Mischung aus sportlicher Alltagstauglichkeit und hochwertiger Anmutung. Unterstützt wird das Ganze zusätzlich durch das kastenförmige Saphirglas mit innenliegender Entspiegelung, das sehr gut zur Gesamtoptik der Uhr passt.
Auch die vertikal gebürstete Lünette mit ihren markanten zwölf Schrauben und die griffige verschraubte Krone tragen dazu bei, dass die Uhr trotz ihres eigenständigen Designs sehr stimmig wirkt.
Die neue Schließe ist im Alltag ein riesiger Vorteil
Eine weitere elementare Neuerung der MKII ist für mich ganz klar die neue Schließe. Das Beads of Rice Armband war bereits bei der ersten Generation optisch und haptisch gelungen, die neue werkzeuglose Feinverstellung hebt den Komfort jetzt aber noch einmal deutlich an. Über einen Knopf außen an der Faltschließe lässt sich das Band direkt während des Tragens verlängern oder verkürzen. Gerade im Alltag und besonders im Sommer ist das ein Detail, das man extrem schnell zu schätzen lernt.
Genau solche Funktionen machen für mich oft den Unterschied zwischen einer Uhr, die nur auf Fotos gut aussieht und einer Uhr, die man wirklich gerne regelmäßig trägt.
Bewährte Technik statt unnötiger Experimente
Im Inneren arbeitet weiterhin ein Swiss Made Sellita SW200 1 Elaboré Uhrwerk, reguliert in vier Lagen. Für mich passt dieses Werk sehr gut zur gesamten Philosophie der Uhr. Es ist zuverlässig, bewährt und technisch absolut sinnvoll für dieses Konzept. Dazu kommen 200 Meter Wasserdichtigkeit, Swiss Super LumiNova BGW9 sowie eine gravierte Seriennummer auf dem Gehäuseboden.
Man merkt insgesamt relativ schnell, dass Wolfgang Heinrich bei der Helicoprion Buzzsaw MKII nicht versucht hat, künstlich möglichst spektakulär bzw. ausgefallen zu wirken. Stattdessen wurde an den entscheidenden Stellen sinnvoll verbessert und die bewährte Basis so belassen wie sie bisher schon war. Genau das macht diese zweite Generation aus meiner Sicht so rund im Gesamtbild.
Fazit zur Heinrich Helicoprion Buzzsaw MKII
Die neue Buzzsaw MKII ist für mich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man eine bestehende Uhr sinnvoll weiterentwickeln kann, ohne dabei jedoch ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Das Design bleibt eigenständig und ist sofort wiedererkennbar, gleichzeitig sorgen das neue Gehäuse und die überarbeitete Schließe dafür, dass die Uhr im Alltag spürbar angenehmer geworden ist. Gerade die Kombination aus markanter Optik, guter Tragbarkeit und sinnvoller Technik macht die Helicoprion Buzzsaw MKII für mich so interessant.
Die Helicoprion Buzzsaw MKII mit grauem Blatt passt zu nahezu jedem Outfit und ist die meiner Meinung nach neutralste Variante der drei Modelle. Bildquelle: Marius Junker
Wolfgang Heinrich bleibt seiner eigenen Designsprache treu und genau das gefällt mir persönlich sehr gut. Die Uhr versucht nicht, wie irgendetwas anderes auszusehen und hat dadurch ihren ganz eigenen Charakter behalten.
Für 1.019 Euro Listenpreis bekommt man hier eine sehr eigenständige Uhr mit hochwertiger Verarbeitung, starkem Wiedererkennungswert und vielen Details, die man in dieser Form meiner Erfahrung nach oft erst in höheren Preisregionen erwartet.
Vom Hobby zum Beruf und warum es sich trotzdem anders anfühlt
Vor ziemlich genau einem Jahr ist aus einer Idee etwas entstanden, das ich mir so zwar erhofft, aber in dieser Form ehrlich gesagt nicht komplett ausgemalt hatte. Die flomp89 Lounge war plötzlich nicht mehr nur ein Gedanke oder ein Projekt nebenbei, sondern ein fester Bestandteil meines Alltags. Ein Ort, an dem sich vieles bündelt, was mich schon seit Jahren begleitet. Uhren, Gespräche, Austausch und diese besondere Form von Begeisterung, die man nur schwer erklären kann, wenn man sie nicht selbst erlebt.
Mit diesem Schritt kam auch eine Veränderung, die man nicht unterschätzen darf. Aus einem Hobby wurde ein Beruf, aus reinem Content für Social-Media wurde ein Uhrenhandel als Retailer zahlreicher Marken, aus Leidenschaft wurde plötzlich auch eine große Verantwortung. Und ja, ich arbeite heute deutlich mehr als früher. Es gibt kaum noch klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit, vieles verschwimmt, vieles läuft parallel. Trotzdem fühlt es sich deutlich anders an als klassische Arbeit. Nicht immer leichter, nicht immer wesentlich entspannter, aber oft erfüllender. Es gibt viele Momente, in denen ich merke, dass genau das hier der richtige Weg war, auch wenn es sicherlich nicht die einfachste Option ist.
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Die Lounge als Fundament und ihre digitale Verlängerung
Der Schritt zur eigenen Lounge war rückblickend einer der wichtigsten überhaupt, weil er dem Ganzen eine neue Ebene gegeben hat. Vorher waren fast alle meine Inhalte rein digital. Man hat sich zwar auch auf Events gesehen, aber dann doch überwiegend über Nachrichten ausgetauscht oder Videos geschaut. Mit der Lounge ist ein fester Ort entstanden, an dem all das zusammenkommt und greifbar wird.
Uhren lassen sich nicht vollständig über Bilder oder Videos vermitteln. Es geht um Haptik, um Präsenz, um das Gefühl am Handgelenk. Und genau dafür ist die flomp89 Lounge da. Gleichzeitig hat sich mein Onlineshop immer mehr zu einer echten Erweiterung entwickelt. Er ist keine separate Welt, sondern spiegelt die Lounge in gewisser Weise digital wider und wird auch genau so genutzt.
Gerade für Menschen, die nicht einfach persönlich vorbeikommen können, ist das ein wichtiger Zugang. Und ich merke immer mehr, dass der Shop sehr aktiv von Euch genutzt wird und für viele ein entscheidender Einstiegspunkt ist. Das Zusammenspiel aus Online und persönlichem Erlebnis funktioniert inzwischen sehr rund und ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Konzepts geworden.
Team, Struktur und Wachstum im Hintergrund
Was sich im Laufe des Jahres ebenfalls klar gezeigt hat, ist, dass so ein Konzept nicht dauerhaft alleine funktioniert. Viele Dinge wirken nach außen vielleicht selbstverständlich, sind es aber im Hintergrund ganz und gar nicht. Gerade im Bereich Content, Präsentation und Außenwirkung steckt viel mehr Arbeit, als man auf den ersten von außen Blick sieht.
Mit Marius im Bereich Videografie und Mario für grafische sowie organisatorische Themen habe ich mittlerweile zwei Freelancer an meiner Seite, die genau diese Bereiche abdecken und auf ein anderes Level bringen. Das sorgt nicht nur für eine höhere Qualität nach außen, sondern auch für deutlich mehr Struktur im Alltag. Viele Dinge greifen inzwischen besser ineinander, weil sie nicht mehr komplett bei mir allein liegen.
Marken, Vertrauen und die Entwicklung des Portfolios
Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist, ist die Zusammenarbeit mit den Marken. Vieles von dem, was ich heute machen kann, ist nur möglich, weil mir Marken/Hersteller ihr Vertrauen geschenkt haben. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn gerade am Anfang ist es alles andere als selbstverständlich, als Retailer eine Chance zu bekommen.
Heute habe ich die Möglichkeit, Uhren in ganz unterschiedlichen Preis- und Stilrichtungen anzubieten. Von einem eher niederschwelligen Einstieg bis hin zu deutlich spezielleren, aufwendigeren oder limitierten Modellen. Genau diese Bandbreite ist mir wichtig, weil ich sowohl Einsteiger als auch versierte Sammler abholen möchte.
Trotzdem gehört auch hier zur Ehrlichkeit dazu, dass nicht jede Marke automatisch so funktioniert, wie man es sich im Vorfeld vielleicht vorgestellt hat. Manche entwickeln sich sehr dynamisch, andere brauchen länger oder treffen nicht ganz den Nerv der Zielgruppe. Das ist kein Vorwurf, sondern Teil des Lernprozesses. Diese Tatsache zwingt mich aber dazu, genauer hinzuschauen und langfristig zu entscheiden, was sinnvoll ist und was hinsichtlich der Marken vielleicht doch nicht dauerhaft in mein Portfolio passt.
Auch in der Zusammenarbeit selbst gibt es Unterschiede. In den meisten Fällen funktioniert der Austausch offen und partnerschaftlich. Gleichzeitig gab es aber auch Situationen, in denen ich mir eine klarere Kommunikation, transparentere Preisstrukturen oder ein offeneres Miteinander gewünscht hätte. Das sind Dinge, die man erst im laufenden Betrieb wirklich versteht und bei denen ich lernen musste, sie aktiv anzusprechen. Wichtig ist es mir dabei besonders solche Unklarheiten schnell, fair und auf Augenhöhe anzusprechen und optimalerweise auch schnell beseitigen zu können. Das gelingt mir aktuell zum Glück auch nahezu immer sehr gut.
Community, Nähe und echte Highlights
Wenn ich auf das letzte Jahr schaue, dann ist einer der schönsten Aspekte ganz klar die Entwicklung rund um die Community. Die flomp89 Lounge und der Onlineshop werden angenommen und daraus entstehen Gespräche, Begegnungen und Verbindungen, die oft weit über das eigentliche Thema “Uhr” hinausgehen.
Was mich dabei zusätzlich besonders freut, ist zu sehen, wie groß das Einzugsgebiet mittlerweile geworden ist. Es kommen nicht nur Leute aus der direkten Umgebung, sondern teilweise auch ganz neue Uhrenfans mit wirklich weiter Anfahrt. Manchmal sogar zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, die dann bewusst mit einem Besuch in der Lounge verbunden werden. Das sind Momente, die ich nicht als selbstverständlich ansehe und die mir wirklich Spaß machen, weil sie zeigen, dass das Ganze mehr ist als nur ein Ort für den Kauf einer Uhr.
Und genau dort entstehen auch echte Highlights. Wenn Menschen, die einem menschlich nah sind bzw. werden, gleichzeitig bewusst wahrnehmen, was hinter dem Ganzen steckt und sich dann entscheiden, Uhren gezielt bei mir zu kaufen. Diese Kombination aus persönlicher Nähe und geschäftlicher Wertschätzung ist für mich etwas ganz Besonderes und freut mich jedes Mal aufs Neue sehr.
Events als Herzstück und ihre zwei Seiten
Ein Bereich, der im letzten Jahr einen immer größeren Teil meiner Arbeit eingenommen hat, sind die Events. Sie sind im Grunde die Verlängerung dessen, was die Lounge bereits sehr gut im Kleinen darstellt, nur in unterschiedlichen Formaten und auf verschiedenen Ebenen.
Ein Beispiel, das mich besonders freut, ist das Manufakturevent bei Alexander Shorokhoff, das ich dieses Jahr bereits zum fünften Mal in Folge organisieren darf. Gerade weil solche Formate vom Vertrauen der Marke in meine Arbeit leben, ist das alles andere als selbstverständlich für mich. Umso schöner ist es zu sehen, dass wir in diesem Jahr eine der höchsten Anmeldezahlen überhaupt für dieses Event haben.
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Auch andere Veranstaltungen, beispielsweise unser Besuch 2025 bei STOWA oder regelmäßige kleinere Treffen direkt in der flomp89 Lounge, gehören genauso dazu. Diese Formate sind oft besonders persönlich, gleichzeitig aber auch mit Aufwand verbunden, gerade weil ich bewusst Wert auf eine gute Atmosphäre und eine hochwertige Verpflegung lege.
Das größte Projekt dieser Art ist für mich mittlerweile die Uhrphoria, die dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet und die ich gemeinsam mit Mario Franyi organisiere. Gleichzeitig muss man sagen, dass solche Events wirtschaftlich nicht darauf ausgelegt sind, große Gewinne zu erzielen. Im Gegenteil. Die Kosten bewegen sich beispielsweise bei der Uhrphoria mittlerweile im sehr deutlich fünfstelligen Bereich.
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Was mich dabei manchmal beschäftigt, ist jedoch das Thema Commitment. Es gibt eine Kerngruppe von Uhrenfans, die solche Events sehr frühzeitig aktiv unterstützt und das ist unglaublich wertvoll. Gleichzeitig gibt es aber auch Situationen, in denen Rückmeldungen zahlreicher Communitymitglieder erst relativ spät kommen oder Zusagen sowie Absagen sehr kurzfristig erfolgen. Das ist nachvollziehbar, macht die Planung organisatorisch und finanziell aber nicht unbedingt einfacher.
Wenn nicht alles rund läuft und warum das dazugehört
Bei all dem Positiven gehört es auch dazu, die andere Seite nicht auszublenden. Es gibt Tage, an denen Dinge nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat. Tage, an denen man merkt, dass Selbstständigkeit eben nicht nur aus den schönen Momenten besteht, sondern auch aus vielen kleinen Themen, die sich summieren und im Hintergrund laufen.
Ein klassisches Beispiel sind Dinge, auf die man selbst keinen direkten Einfluss hat. Versandprobleme etwa, Verzögerungen bei Dienstleistern oder Abstimmungen, die nicht so funktionieren wie geplant. Der Kunde kann nichts dafür, ich kann nichts dafür, und trotzdem liegt es am Ende bei mir, das Ganze aufzuklären, zu erklären und sauber aufzulösen. Ich bin dann derjenige, der hinterhertelefoniert, nachhakt, Lösungen sucht und gleichzeitig versucht, den Kunden auf dem Laufenden zu halten.
Das ist kein Drama, sondern gehört zum Alltag dazu. Aber es sind genau diese Situationen, die Zeit und Energie kosten, weil sie sich nicht planen lassen und oft genau dann auftauchen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Beratung, Erwartung und Realität
Ein weiterer Punkt, der im Alltag eine große Rolle spielt, sind intensive Beratungsprozesse. Gespräche, die sich über viele Tage ziehen, mit zahlreichen E-Mails, Rückfragen und Überlegungen. Das gehört für mich ganz klar dazu und ist auch ein Teil dessen, was ich bewusst anbiete. Ich nehme mir diese Zeit gerne, auch abends, am Wochenende oder nach Feierabend, weil ich den Anspruch habe, den bestmöglichen Service zu liefern und gemeinsam mit dem Interessenten/der Interessentin die passende Uhr zu finden.
Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch immer wieder, wie unterschiedlich Erwartung und Realität sein können. Es gab beispielsweise einen Fall, bei dem sich ein Austausch über mehr als 15 E-Mails nur von meiner Seite aus gezogen hat, viele davon spät abends oder am Wochenende, weil ich möglichst schnell und ausführlich reagieren wollte. Es ging konkret um zwei Marken, die intensiv besprochen wurden. Am Ende wurde dann eine dritte Marke extern gekauft, die ich jedoch ebenfalls im Portfolio habe und problemlos hätte anbieten können.
Das ist kein Vorwurf, sondern eher ein Moment, in dem man innehält und sich fragt, wie solche Situationen entstehen. Denn auf der einen Seite steht bei mir der Anspruch, genau den oben beschriebenen Service zu bieten und sich Zeit zu nehmen. Auf der anderen Seite steht die Realität, dass dieser Aufwand nicht immer in der Form wahrgenommen oder gespiegelt wird, sich somit also auch regelmäßig nicht lohnt.
Ein ähnliches Gefühl entsteht zeitweise im Zusammenhang mit Events. Ich weiß den Besuch meiner Veranstaltungen wirklich zu schätzen. Sie leben davon, dass Menschen kommen, sich austauschen und das Ganze mit Leben füllen. Ohne diese Uhrenfans wären die Events nicht das, was sie sind.
Gleichzeitig darf man aber nicht ausblenden, dass jedes einzelne Event Zeit, Energie und auch Geld kostet. Vorbereitung, Organisation, Verpflegung und alles, was dazugehört, laufen im Hintergrund und sind ein nicht unerheblicher Aufwand für mein Team und mich. Wenn man dann über die Zeit feststellt, dass gerade einige Stammgäste solcher kostenfreien Formate sich bei kostenpflichtigen Events schwer tun oder Entscheidungen sehr lange offenlassen und gleichzeitig Uhrenkäufe durch diese Gäste bei anderen Anbietern stattfinden, dann ist das ein Punkt, der mich doch sehr nachhaltig beschäftigt. Gerade genau denn, wenn die extern gekauften Marken auch Bestandteil meines Portfolios/Angebots sind.
Und exakt an dieser Stelle kommt ein Aspekt dazu, der sich im Vergleich zu früher verändert hat. Das Ganze ist mittlerweile kein reines Hobby mehr, bei dem man ohne große Gedanken einfach Zeit und Geld investiert, weil es Spaß macht. Es ist ein Unternehmen geworden, mit laufenden Kosten, mit Verpflichtungen und mit einem klaren wirtschaftlichen Rahmen, in dem sich alles bewegen muss.
Das bedeutet nicht, dass die Leidenschaft verloren geht. Aber es bedeutet, dass Zeit und Geld nicht mehr unbegrenzt eingesetzt werden können. Dinge müssen funktionieren, damit das Gesamtmodell langfristig tragfähig bleibt.
Wenn man das alles zusammennimmt, entstehen bei den oben geschilderten Situationen nichtselten die Fragen: Bin ich irgendwo falsch abgebogen? Gibt es Dinge, die ich anders oder besser machen kann, um mehr Commitment zu erzeugen? Oder ist das Ganze einfach ein Bestandteil der Dynamik eines offenen Konzepts?
Vom Hobby zum Geschäftsmodell und warum sich der Blick verändert
Ein Punkt, der sich im Laufe des Jahres wahrscheinlich am deutlichsten verändert hat, ist die eigene Perspektive. Solange etwas ein Hobby ist, kann man viele Dinge einfach laufen lassen. Man probiert sich aus und denkt nicht in wirtschaftlichen Kategorien.
In dem Moment, in dem daraus ein Geschäftsmodell wird, verändert sich dieser Blick ganz automatisch. Es entstehen Verpflichtungen, laufende Kosten und nicht unerhebliche Investitionen. Gleichzeitig muss das Ganze im Alltag funktionieren, damit die Idee und das erdachte Konzept langfristig bestehen können.
Der Spaß bleibt, aber er steht nicht mehr alleine. Er wird ergänzt durch eine wirtschaftliche Realität, die Entscheidungen beeinflusst und bewusster macht.
Ein ehrlicher Blick zum Schluss
Mit diesem Beitrag ging es mir nicht darum, mich zu beschweren oder etwas zu glorifizieren, sondern einfach darum, Euch einen ehrlichen Einblick zu geben. Die flomp89 Lounge, der Onlineshop die Events und das Miteinander wirken nach außen oft sehr leicht und genau so soll es auch sein.
Gleichzeitig steckt dahinter aber eben auch ein Aufwand, der nicht immer sichtbar ist sowie ein nicht geringes zeitliches und finanzielles Risiko. Mir geht es hiermit nicht darum, Erwartungen zu formulieren, sondern, ein besseres Verständnis zu schaffen.
Denn am Ende ist das Ganze nicht nur Leidenschaft, sondern auch mein Vollzeitjob in dem ich mich stetig weiterentwickeln möchte und muss. Genau dafür habe ich zahlreiche Ideen und Projekte, die ich gerne nach und nach gemeinsam mit und auch für Euch umsetzen möchte.
Und genau deshalb freue ich mich auf alles, was noch kommt 🙂
Emotionale vs. rationale Entscheidung
Eine Uhr zu kaufen ist selten eine rein rationale Entscheidung. Natürlich spielen Budget, Technik und Marke eine Rolle, aber am Ende geht es immer auch um etwas Persönliches. Man sucht sich bewusst eine Uhr aus, die man jeden Tag tragen kann, die zum eigenen Stil passt und im Idealfall auch nach Jahren noch Freude macht.
Gerade deshalb ist es spannend zu beobachten, wie oft beim Uhrenkauf relativ ähnliche Fehler passieren. Nicht, weil die Auswahl schlecht wäre oder die Uhren nicht gut sind, sondern weil die Entscheidung an den falschen Stellen getroffen wird. Viele dieser augenscheinlichen falschen Punkte wirken im ersten Moment logisch, führen aber langfristig dazu, dass eine Uhr nicht die Rolle einnimmt, die man sich eigentlich erhofft hat und somit nicht selten in der Schublade bleibt.
Ich sehe das regelmäßig, sowohl online als auch im direkten Austausch in der flomp89 Lounge. Genau deshalb lohnt es sich, diese typischen Stolpersteine abseits der reinen technischen Fakten einmal bewusst anzuschauen.
1. Du kaufst die Uhr nur auf Basis von Bildern
Gerade heute ist es unglaublich einfach geworden, sich in eine Uhr zu verlieben, ohne sie jemals in der Hand gehabt zu haben. Hochwertige Produktbilder und perfekt inszenierte Social-Media-Posts vermitteln schnell das Gefühl, man wüsste genau, wie die Uhr wirkt. In der Realität ist das aber meist nur ein Ausschnitt.
Sobald du sie live siehst oder anlegst, verändert sich die Wahrnehmung oft deutlich. Die Uhr wirkt vielleicht dicker als erwartet, die Proportionen fühlen sich anders an, das Zifferblatt spielt im Licht völlig anders und auch das Zusammenspiel mit deinem Handgelenk ist etwas, das man auf Bildern kaum greifen kann.
Genau diese Details entscheiden aber darüber, ob sich eine Uhr richtig anfühlt oder nicht.
Ein Chronograph der Marke Briston mit farbigem Textilband.
2. Du entscheidest zu rational und vergisst das Gefühl
Technische Daten spielen beim Uhrenkauf eine durchaus sehr wichtige Rolle. Werk, Gangreserve, Materialien oder Herkunft sind teilweise entscheidende Faktoren. Problematisch wird es dann, wenn diese Punkte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage werden.
Eine Uhr ist kein reines Technikprodukt. Zwei Modelle können auf dem Papier nahezu identisch sein und sich trotzdem komplett unterschiedlich anfühlen. Die eine wirkt stimmig und präsent, die andere bleibt emotional neutral. Genau dieser Unterschied lässt sich nicht in Zahlen abbilden.
Viele Uhrenfans kaufen am Ende die Uhr, die objektiv am meisten bietet, und wundern sich später, warum sie sie kaum tragen. Meist fehlt trotz der technisch perfekten Daten dann doch irgendwann die emotionale Verbindung.
3. Du versuchst zwanghaft das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden
Der Wunsch, möglichst viel für sein Geld zu bekommen, ist nachvollziehbar. Im Uhrenbereich gibt es unzählige Modelle mit starken Spezifikationen zu attraktiven Preisen. Das Problem ist, dass man sich schnell in Vergleichen verliert. Mehr Funktionen oder bessere Werte, vielleicht sogar eine vermeintlich höhere Gesamtqualität. Dabei wird oft vergessen, ob einem die Uhr überhaupt wirklich gefällt, fernab der technischen Hardfacts in Verbindung mit dem aufgerufenen Preis.
Langfristig bleibt es dann regelmäßig eine Uhr, die zwar auf dem Papier überzeugt, im Alltag aber keine echte Begeisterung auslöst.
Eine Uhr aus der Kollektion “The Quest” der deutschen Marke Rosenbusch.
4. Du lässt dich zu stark von Trends beeinflussen
Durch Social Media entstehen ständig neue Trends. Bestimmte Modelle oder Marken sind plötzlich überall präsent und wirken dadurch besonders attraktiv.
Wenn du eine Uhr kaufst, weil sie gerade im Trend liegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Begeisterung nicht dauerhaft bleibt. Trends verändern sich schnell und mit ihnen oft auch die eigene Wahrnehmung.
Eine Uhr sollte unabhängig davon funktionieren. Wenn sie dir auch dann noch gefällt, wenn niemand mehr darüber spricht, passt sie deutlich besser zu dir.
5. Du denkst nicht darüber nach, wie du die Uhr wirklich trägst
Eine der wichtigsten Fragen wird oft übersehen: Wann und wie bzw. wo wirst du diese Uhr tatsächlich tragen?
Eine elegante Uhr kann perfekt aussehen, passt aber vielleicht nicht zum Alltag. Eine große, massive Uhr wirkt beeindruckend, kann aber schnell unbequem werden. Auch Bauhöhe, Gewicht oder Armbandmaterial spielen eine größere Rolle, als man zunächst denkt.
Wenn eine Uhr im Alltag nicht funktioniert, verliert sie schnell an Relevanz.
Warum die auf dem Papier perfekte Uhr selten die richtige ist
Am Ende geht es nicht darum, die objektiv beste Entscheidung zu treffen, sondern die richtige Uhr für dich selbst zu finden.
Die Uhren, welche langfristig bleiben, sind selten die, die man sich rein rational zusammengestellt hat. Es sind die Modelle, die sich von Anfang an stimmig angefühlt haben.
Wenn eine Uhr zu deinem Alltag passt und sich richtig anfühlt, wird vieles andere plötzlich nebensächlich.
Eine Entwicklung, die leise begonnen hat
In den letzten Jahren hat sich meiner Beobachtung nach etwas in der Uhrenwelt verschoben. Und zwar nicht laut, nicht mit großen Kampagnen oder spektakulären Produktlaunches. Sondern eher leise, fast nebenbei. Es ist keine Entwicklung, die man an einem einzelnen Moment festmachen kann. Eher viele kleine Veränderungen, die sich über Zeit aufgebaut haben.
Immer mehr Menschen schauen sich bewusst bei kleineren Marken um.
Marken, die man nicht aus jeder Fußgängerzone kennt. Die keine riesigen Budgets für Werbung zur Verfügung haben. Die oft nicht einmal in den Schaufenstern der klassischen Juweliere stattfinden. Und trotzdem gewinnen sie an Bedeutung. Oder vielleicht gerade deshalb. Denn genau dieses „nicht überall sein“ macht sie für viele Sammlerinnen und Sammler interessant.
Mehr als nur Microbrands
Dabei geht es längst nicht nur um klassische Microbrands. Auch viele unabhängige Marken profitieren von dieser Entwicklung. Marken, die vielleicht schon länger existieren, aber nie Teil der ganz großen Industrie geworden sind.
Sie sind oft zu groß, um als Microbrand zu gelten, aber zu klein, um flächendeckend im klassischen Luxussegment mitzuspielen. Und genau dazwischen entsteht gerade ein spannender Raum. Was diese Marken verbindet, ist weniger die Größe als die Haltung. Ein klarer eigener Anspruch, eine erkennbare Linie und oft auch eine gewisse Unabhängigkeit in Entscheidungen.
Man merkt, dass hier nicht jede Entscheidung durch gefühlt fünf Ebenen abgestimmt werden muss.
Detailansicht eines modernen Automatikwerks verbaut im Modell “Paddock” der Marke Pierre Lannier. Fotoquelle: Marius Junker.
Der Gegenpol zur Perfektion
Ein Grund für diese Entwicklung liegt ziemlich offensichtlich auf der Hand: Viele große Marken sind heute extrem glatt geworden. Perfekt inszeniert, klar positioniert, technisch sauber. Aber oft auch austauschbar in dem, was sie erzählen. Wenn man sich viele Kampagnen anschaut, verschwimmen die Unterschiede. Andere Bilder, andere Gesichter, aber oft dieselbe Art von Geschichte.
Microbrands und unabhängige Marken gehen einen anderen Weg. Sie sind oft näher dran. An ihren Produkten, an ihren Kunden, an ihrer eigenen Geschichte. Man merkt, dass hinter vielen dieser Marken keine anonyme Struktur steht.
Gründer, kleine Teams, manchmal sogar Einzelpersonen, die genau wissen, warum sie diese Uhr bauen prägen die Uhrenszene immer mehr. Und genau das spürt man. Nicht immer perfekt, aber oft ehrlicher.
Wenn Geschichten wieder zählen
Das verändert die Wahrnehmung vieler Menschen aus unserem Hobby grundlegend.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um das Produkt selbst, sondern um den Kontext. Wo kommt die Idee her? Wer steckt dahinter? Warum genau dieses Design? Warum diese Farbe, warum diese Form, warum jenes Detail? Das sind Fragen, die früher für viele von uns kaum eine Rolle gespielt haben. Heute sind sie für eine große Anzahl Uhreninteressierter ein zentraler Teil der Entscheidung. Man kauft nicht nur eine Uhr, sondern auch ein Stück Haltung.
Das Modell “ADAMASCUS ADX161 True GMT” der Marke Wise. Fotoquelle: Marius Junker.
Verfügbarkeit als unterschätzter Faktor
Ein Punkt, der dabei oft unterschätzt wird, ist die Verfügbarkeit. Während bei vielen großen Schweizer Marken Wartelisten, Wunschlisten und teils jahrelange Wartezeiten längst zum Alltag gehören, ist die Situation bei kleineren und unabhängigen Marken oftmals eine völlig andere.
Die meisten Modelle sind tatsächlich verfügbar. Und das ist mehr als nur ein praktischer Vorteil. Man sieht eine Uhr, beschäftigt sich damit und kann sie kaufen. Ohne Spielchen, ohne Beziehungen, ohne das Gefühl, sich erst durch Beikäufe und regelmäßige Besuche „qualifizieren“ zu müssen. Ohne den Umweg über Listen, Historien oder künstlich aufgebaute Hürden. Das verändert die gesamte Dynamik. Die Entscheidung für den Kauf einer bestimmten Uhr entsteht aus echtem Interesse und nicht aus Druck. Nicht aus Angst, etwas zu verpassen, sondern aus dem Gefühl heraus, dass es einfach passt.
Gerade in einer Zeit, in der viele Kaufentscheidungen stark von Verknappung, Prestige und Hype beeinflusst sind, wirkt das fast schon ungewohnt und genau deshalb für viele wieder attraktiv.
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Dazu kommt ein weiterer Punkt: Zugänglichkeit. Viele dieser Marken bewegen sich preislich in Bereichen, die deutlich näher an der Realität der meisten Käufer aus unserer Uhrencommunity liegen. Man kann sich ausprobieren, ohne direkt fünfstellige Beträge investieren zu müssen. Das senkt die Hemmschwelle und ändert das verhalten im Umgang mit den Uhren sowie Marken.
Man geht entspannter an das Thema heran. Weniger Druck, weniger Erwartung, mehr Neugier. Man testet mehr vergleicht ausgiebiger und entwickelt schneller ein Gefühl dafür, was einem wirklich gefällt und was vielleicht doch nicht. Genau dadurch entsteht oft eine tiefere Verbindung zum Thema insgesamt.
Charakter statt Masse
Hier liegt denke ich eine der größten Stärke der hier beschriebenen Marken. Sie müssen nicht jedem gefallen. Im Gegenteil. Viele funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie eine klare Handschrift haben. Ecken, Kanten, manchmal auch Entscheidungen, die nicht für den Massenmarkt gedacht sind.
Das kann ein ungewöhnliches Design sein, eine spezielle Farbwahl oder einfach eine Haltung, die nicht versucht, es allen recht zu machen. Aber genau das macht sie greifbar. Man erkennt sie wieder und man hat eine Meinung dazu. Das ist sehr oft wesentlich mehr wert als perfekte Durchschnittlichkeit.
Die andere Seite der Entwicklung
Natürlich hat diese Entwicklung jedoch auch ihre Grenzen. Nicht jede kleine Marke ist automatisch auch wirklich gut. Nicht jede zur Uhr erzählte Geschichte ist ehrlich und nicht jedes Produkt hält langfristig, was es am Anfang verspricht.
Es gibt auch hier viel Mittelmaß, viel Austauschbares und manchmal auch einfach gutes Marketing ohne großartige Substanz. Gerade weil der Zugang so einfach ist, entsteht auch vieles was durchaus eher kritisch gesehen werden sollte, so dass nicht alles von bleibender Substanz. Aber auch diese Entwicklung ist nunmal ein Teil des Systems, welches auf der anderen Seite die eben geschilderten Vorteile mit sich bringt.
Mehr Raum für Entdeckungen
Am Ende sorgt die entstehende Vielfalt dafür, dass die Uhrenwelt wieder spannender geworden ist. Kollektionen und Marken sind im positiven Sinne unvorhersehbarer, neue Modelle oft weniger standardisiert. Man stößt wieder auf Dinge, die man vorher nicht kannte. Marken, die man nicht erwartet hat und Designs die häufiger mal aus dem gewohnten Raster fallen können.
Ich denke genau das ist der eigentliche Punkt: Heutzutage bietet die Uhrenwelt wieder mehr Raum für Entdeckungen. Es gibt zumindest in unserer Nische nicht mehr die eine große Marke, die alles dominiert. Sondern viele kleine Brands mit eigenen Ideen, die weitestgehend friedlich nebeneinander existieren und genau dadurch ihren Reiz entfalten.
Wie alles angefangen hat
Manche Dinge entstehen nicht mit einem klaren Plan, sondern entwickeln sich Schritt für Schritt. So war es auch bei diesem Projekt. 2023 habe ich gemeinsam mit der Marke Alexander Shorokhoff die erste gemeinsame Uhr umgesetzt, die “Home”. Ein Modell, das von Anfang an stark von Kunst inspiriert war und schnell seinen eigenen Charakter entwickelt hat. 2024 folgte mit der “Home 2” die nächste Evolutionsstufe, erneut angelehnt an die Arbeiten eines bekannten österreichischen Künstlers und Architekten und wieder mit einer klaren gestalterischen Handschrift. Die “Home” ist mittlerweile ausverkauft und genau aus dieser Entwicklung heraus ist 2025 etwas entstanden, das noch einmal einen Schritt weitergehen sollte.
Die Idee hinter der DNA
Mit der “DNA” wollten Inga Duffy-Shorokhova und ich kein weiteres Modell auf Basis der “Home” entwickeln, sondern etwas schaffen, das neue Wege geht aber dennoch wie gehabt die gemeinsame Handschrift widerspiegelt. Nicht nur optisch, sondern auch in der Herangehensweise. Ein Projekt, bei dem Design, Technik und Haltung zusammenkommen und ein gemeinsames Verständnis davon sichtbar wird, wie eine Uhr wirken kann. Der offizielle Release fand im Rahmen der WatchTime in Düsseldorf statt, was dem Projekt einen passenden und sehr stimmigen Rahmen inmitten der deutschen Uhrencommunity gegeben hat.
Inspiration aus der Architektur
Die gestalterische Grundlage der “DNA” liegt wie auch bei der “Home” und “Home 2” in der Architektur. In diesem Fall aber in den ikonischen Mosaik-Designs von Antoni Gaudí. Diese organischen Formen, die scheinbar zufälligen Farbverläufe und die besondere Verbindung aus Struktur und Chaos waren der Ausgangspunkt für das Design. Die Herausforderung bestand darin, genau dieses Gefühl auf ein Zifferblatt zu übertragen, ohne es einfach zu kopieren. Das Ergebnis ist eine Interpretation, die bewusst aus der klassischen Uhrensprache ausbricht und genau dadurch funktioniert.
Detailansicht des “DNA” Mosaik-Zifferblatts. Fotoquelle: Alexander Shorokhoff.
Die Handschrift von Alexander Shorokhoff
Die “DNA” ist ganz klar in der avantgardistischen Designsprache von Alexander Shorokhoff verankert. Das bedeutet, dass sie nicht versucht, gefällig zu sein, sondern bewusst auffällt und Reaktionen erzeugt. Gleichzeitig steckt in der Umsetzung die komplette handwerkliche Stärke der Manufaktur. Das Werk basiert auf dem Kaliber AS.3105, ist vergoldet und vollständig von Hand graviert. Die typischen „Scrolls“ sind dabei nicht nur Dekoration, sondern ein fester Bestandteil der Identität und sorgen dafür, dass man durch den verbauten Glasboden sofort erkennt, wo die Uhr herkommt.
Handgraviertes Werk der “DNA” mit Glasboden. Fotoquelle: Alexander Shorokhoff.
Limitierung und Verfügbarkeit
Die “DNA” ist auf nur 7 Stück weltweit limitiert. Keine Marketingzahl und keine große Serie, sondern wirklich sieben einzelne Uhren. Aktuell sind davon nur noch zwei Stück verfügbar. Genau das macht die “DNA” nicht nur zu einem besonderen Designobjekt, sondern auch zu einem echten Sammlerstück. Der Preis liegt bei 3.890 Euro brutto und bewegt sich damit in einem Bereich, der die handwerkliche Arbeit, die Limitierung und die Einzigartigkeit des Projekts widerspiegelt.
Wirkung am Handgelenk
Was bei der “DNA” besonders auffällt, ist die Wirkung am Handgelenk. Auf Bildern funktioniert sie bereits sehr stark, aber live entsteht noch einmal eine ganz andere Dynamik. Es ist keine Uhr, die man einmal anschaut und sofort vollständig versteht, sondern eher ein Modell, das man immer wieder neu entdeckt. Genau das macht sie so spannend und sorgt dafür, dass sie sich bewusst von klassischen, klar strukturierten Designs abhebt.
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Referenznummer: AS.DNA.FB01 Werk: Mechanischer Handaufzug AS.3105, vollständig handgraviert und veredelt, gebläute Schrauben Gangreserve: ca. 42 Stunden, 17 Steine Funktionen: Stunden und Minuten, dezentrale Sekunde bei 9 Uhr, Datum Gehäuse: Edelstahl, gebürstet und poliert Durchmesser: 43,5 mm Höhe: 11,4 mm Glas: Saphirglas, Vorderseite entspiegelt und bombiert Wasserdichtigkeit: 5 ATM Zifferblatt: Buntes avantgardistisches Mosaikdesign mit dezentraler Sekunde und Datumsfenster bei 6 Uhr Zeiger: Weiß mit schwarzer Kante Bandanstöße: 22 mm Band: Schwarzes Kalbslederband mit grüner Naht und grüner Unterseite, Edelstahldornschließe
Mehr als nur eine Uhr
Die “DNA” ist am Ende mehr als nur ein weiteres Modell. Sie ist das Ergebnis einer Entwicklung über mehr als 1 ½ Jahre. Sie ist über die Zeit entstanden aus ersten Ideen, gemeinsamen Projekten und dem Vertrauen, Dinge auch mal anders zu denken. Eine Uhr, die nicht versucht, jedem zu gefallen, aber genau deshalb für die richtigen Menschen umso besser funktioniert. Und vielleicht ist genau das die eigentliche sowie namensgebende “DNA” dieses Projekts.
Fliegeruhren mit Charakter und einer sehr persönlichen Geschichte
Der Kontakt zu VIIS begann ganz unkompliziert über Instagram. Ein paar Nachrichten, ein ehrlicher Austausch über Uhren und Design. Kurz darauf standen Leonie und Josip Kožul bei mir in der flomp89 Lounge in Neu-Isenburg. Wir haben uns Zeit genommen, die Uhren gemeinsam angeschaut und vor allem über ihre Geschichte gesprochen.
Und genau da wurde mir klar, dass VIIS Uhren mehr sind ein weiteres Uhrenmodell einer weiteren jungen Uhrenmarke.
Wie alles begann
Josip war seit seiner Kindheit vom Fliegen fasziniert. Die Vorstellung, die Welt von oben zu sehen, mit dem Himmel zu verschmelzen und diese absolute Freiheit zu spüren, hat ihn früh geprägt. Sein erster Flug in einem alten Propellerflugzeug war ein Schlüsselmoment. Der Klang der Motoren, die Eleganz der Maschine, dieses Gefühl, dass für einen kurzen Augenblick alles stillsteht.
Fliegen war kein reiner Hobbygedanke, sondern ein echter Traum für ihn.
Als Teenager musste er diesen Traum jedoch aufgeben. Flugübelkeit und eine Sehschwäche machten eine fliegerische Laufbahn unmöglich. Ein Einschnitt, der erst einmal schwer wiegt. Doch genau an diesem Punkt begann die Grundlage für etwas Neues.
Mit 16 lernte er Leonie kennen. Die Liebe seines Lebens und später seine Partnerin in allem, auch im Unternehmertum. Beide verband Abenteuerlust, Fernweh und der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen. Aus seinem Traum vom Fliegen wurde ein gemeinsamer Traum. Wenn man nicht selbst Pilot werden kann, so kann man dennoch etwas erschaffen, das für dieses Gefühl steht.
Die Idee einer Fliegeruhr war geboren. Eine Uhr als Symbol für Präzision, Zuverlässigkeit und Entschlossenheit. Inspiriert von historischen Ikonen, aber mit einer modernen Handschrift im Design.
Zunächst blieb es jedoch bei einer Vision. Beide bauten Karrieren auf, sammelten Erfahrung, gingen ihren Weg. Die Idee landete sprichwörtlich in der Schublade.
Der Wendepunkt kam 2024 mit der Nachricht, dass sie Eltern werden. Dieser Moment hat vieles verändert. Der Wunsch wurde stark, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das kommende Kind etwas aufzubauen. Etwas, das für Mut, Eigenständigkeit und gelebte Träume steht.
So entstand die Marke VIIS.
Der Name verweist auf die kroatische Insel Vis und damit auf die familiären Wurzeln von Josip. Herkunft und Identität spielen eine wichtige Rolle für die Marke. Gleichzeitig wurde Graz als Gründungsort bewusst gewählt. Eine Stadt, die als UNESCO City of Design für Kreativität steht. Produziert wird in Pforzheim, wo beide Gründer aufgewachsen sind und wo auch heute noch Uhrmachertradition auf präzises Handwerk trifft.
Die Flieger GMT 42 als erstes Kapitel
Im Juli 2025 wurde die Flieger GMT 42 Kollektion lanciert. Für eine junge Marke direkt mit einer mechanischen GMT-Funktion zu starten, zeigt Selbstbewusstsein.
Das Modell Adriatic am schwarzen Lederband. Fotoquelle: VIIS.Das Modell Levante am braunen Lederband. Fotoquelle: VIIS.Das Modell Velebit am schwarzen Lederband. Fotoquelle: VIIS.
Grundsätzliche technische Daten, die für alle bisherigen Varianten der Fliger GMT 42 gelten, sind die folgenden:
Gehäuse
Edelstahl 316L, gebürstet und poliert
Verschraubter Gehäuseboden mit Sichtfenster
Feststehende Lünette
42 Millimeter Durchmesser
49 Millimeter Lug to Lug
13,4 Millimeter Höhe inklusive Glas, 11,3 Millimeter ohne Glas
Verschraubte und geriffelte Krone
Wasserdicht bis 100 Meter
Die Proportionen sind für Fliegeruhren gerade im Durchmesser eher zurückhaltend und vielseitig tragbar. Die Krone ist zwar präsent und griffig, aber nicht überdimensioniert wie es bei Fliegeruhren nicht selten der Fall ist.
Werk
Automatik Kaliber Miyota 9075
24 Lagersteine
Frequenz 28.800 A pro Stunde
Citizen Parashock Stoßsicherung
Gangreserve rund 42 Stunden
Stunden, Minuten, Zentralsekunde mit Sekundenstopp
Datum
Zweite Zeitzone (GMT)
Das verwendete Miyota 9075 bietet eine echte GMT-Funktion und passt gut zur Idee einer Uhr für Reisende und Piloten.
Zifferblatt und Details
Verschiedene Zifferblattvarianten je nach Modellvariante
Doppelt gewölbtes Saphirglas mit innenliegender Antireflexbeschichtung
Klassische Fliegeroptik
Super-LumiNova® BGW 9 auf Ziffern und Zeigern
Die Ablesbarkeit steht zu jedem Zeitpunkt klar im Vordergrund. Funktion und Design greifen stimmig ineinander.
Armband
Italienisches Kalbsleder (verschiedene Farben)
120 zu 80 Millimeter Länge
20 Millimeter Bandbreite
Dornschließe aus Edelstahl 316L
Drei Varianten mit eigener Stimmung
Die Adriatic greift mit dem verwendeten Blauton das tiefe Blau des Meeres auf und wirkt je nach Licht leicht petrolfarben.
Die Levante steht mit ihrem weißen Zifferblatt für Klarheit und Leichtigkeit und greift damit die Stimmung des Levante auf, jenem warmen Ostwind, der klare, helle Tage über das Mittelmeer bringt.
Das Modell Velebit präsentiert sich in Schwarz, kraftvoll und robust, inspiriert vom kroatischen Gebirge.
Preis
Der Listenpreis für alle Modelle liegt bei derzeit 649 Euro je Uhr. Damit reiht sich die Marke VIIS deutlich in das Preissegment von unter 1.000 ein und bietet für diesen Preis in meinen Augen eine durchaus sehr wertige Uhr mit einem robusten Uhrwerk. Wäre die Wahl des Werks auf eines der bekannten Modelle aus der Schweiz gefallen, wären wir vermutlich deutlich näher an den 1.000 Euro Listenpreis, oder würden sogar darüber liegen.
Warum VIIS für mich passt
Was mich überzeugt hat, war nicht nur die Technik oder das Design. Es war die Kombination aus echter Lebensgeschichte, klarer Vision und dem Mut, 2024 eine eigene Marke zu gründen.
Ein Kindheitstraum, der sich verändert hat. Zwei Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Eine junge Familie, die bewusst entscheidet, Träume nicht dauerhaft aufzuschieben.
VIIS ist eine Fliegeruhr. Aber es ist auch ein Symbol für einen Perspektivwechsel und Entschlossenheit. Und genau deshalb fühlt sich diese Marke für mich stimmig an.
Online kaufen ist bequem – aber nicht immer ausreichend
Uhren online zu kaufen ist heute selbstverständlich. Man kann vergleichen, in Ruhe lesen, Preise prüfen, technische Daten studieren und sich unabhängig informieren. Gerade für Menschen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, ist das Internet eine enorme Chance. Die entsprechende Transparenz war nie größer als heute.
Ich halte den Onlinehandel deshalb nicht für ein Problem, im Gegenteil. Er ist komfortabel, effizient und oft der erste Berührungspunkt mit einer Marke.
Gleichzeitig bleibt eine Uhr ein Gegenstand, der am Körper getragen wird. Sie ist kein rein funktionales Produkt. Sie lebt von Proportionen, vom Zusammenspiel aus Gehäuse, Zifferblatt und Band, vom Eindruck am eigenen Handgelenk. Genau hier entsteht manchmal eine Lücke zwischen digitaler Darstellung und realer Wirkung.
Die Stärke liegt in der Verbindung beider Welten
Der eigentliche Vorteil entsteht dann, wenn sich Online und Offline sinnvoll ergänzen, so wie ich mir es auch in der flomp89 Lounge zur Aufgabe gemacht habe.
Wenn man eine Uhr online sieht, sich informiert und vielleicht schon ein klares Bild im Kopf entwickelt und dann die Möglichkeit hat, genau dieses Modell zeitnah live zu betrachten. Nicht irgendeine ähnliche Referenz, sondern exakt die Uhr, die man zuvor im Shop gesehen hat.
Man merkt schnell, wie unterschiedlich Millimeterangaben wirken können. 40 Millimeter im Durchmesser lesen sich „neutral“ und suggerieren oft, dass die Uhr an viele Handgelenke passen könnte. Diese 40 mm tragen sich aber je nach Bauhöhe, Lünette oder Zifferblattgestaltung völlig anders. Auch Farben verändern sich je nach Licht. Ein Blau kann dezent oder sehr präsent wirken, ein schwarzes Blatt matt oder tief.
Diese Eindrücke lassen sich nicht vollständig über Fotos oder Videos transportieren. Sie entstehen erst im direkten Kontakt.
Ein Blick auf das Modell DNA der Marke Alexander Shorokhoff: Fotoquelle: Alexander Shorokhoff.
Beratung wird konkreter
Auch Gespräche verändern sich, wenn die gewünschte Uhr tatsächlich vor einem liegt.
Man kann direkt vergleichen, Alternativen nebeneinander legen, Unterschiede im Finish erkennen oder über Details sprechen, die online kaum auffallen. Die Beratung wird dadurch weniger theoretisch und mehr konkret. Es geht nicht nur um technische Daten, sondern um den persönlichen Eindruck, die realen Proportionen und sowie das emotionale Gefühl beim Betrachten bzw. Kennenlernen der Uhr.
In meinem Fall bedeutet das, dass die Modelle, die online gelistet sind, entweder bereits physisch greifbar sind oder bewusst von mir angekauft beziehungsweise sehr kurzfristig verfügbar gemacht werden. Diese Entscheidung treffe ich selbst. Ich übernehme damit nicht nur das wirtschaftliche Risiko, sondern setze auch ein klares Zeichen: Ich stehe hinter den Uhren und hinter den Marken, die ich führe.
Das hat für den Kunden einen spürbaren Vorteil. Die Uhr wird nicht anonym aus einem externen Lager heraus versendet, ohne dass ich sie jemals gesehen und in der Hand gehalten habe. Wenn eine Uhr die flomp89 Lounge verlässt, habe ich sie geprüft, die Details kontrolliert und sie selber an Euch ausgehändigt oder dem Versanddienstleister übergeben. Dadurch behalte ich die Kontrolle darüber, was tatsächlich ausgeliefert wird und Ihr könnt sicher sein möglichst viel an Beratung, Service und Lieferung aus einer Hand zu bekommen.
Diese unmittelbare Verbindung zwischen Händler und Produkt schafft eine andere Form von Verantwortung. Ich verkaufe die Uhr nicht nur im System, sondern kenne sie real. Und genau das wirkt sich auf Beratung, Sorgfalt und Abwicklung aus.
Eine spannende Mido aus meinem Gebrauchuhren-Sortiment.
Transparenz schafft Sicherheit
Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit im Entscheidungsprozess.
Wenn die online angebotene Uhr physisch vorhanden oder klar verfügbar ist, entsteht eine direkte Verbindung zwischen Angebot und Realität. Es gibt kein abstraktes Versprechen und kein Modell, das erst irgendwo organisiert werden muss, ohne dass es jemand vor Ort geprüft hat.
Gerade bei höherpreisigen Uhren spielt dieses Gefühl eine wichtige Rolle. Man kauft nicht nur einen Artikel, welchen man unter Umständen nur temporär benötigt, sondern ein Objekt, das Sammlerinnen und Sammler optimalerweise über viele Jahre hinweg begleiten soll. Die Möglichkeit, die Uhr der Wahl vorher in Ruhe anzusehen oder zumindest zu wissen, dass diese durch die Hände des Händlers gegangen ist, reduziert potenzielle Unsicherheiten meines Empfindens nach spürbar.
Bewusste Entscheidung statt reiner Abwicklung
Dropshipping trennt diese Ebenen voneinander. Das Modell ist effizient, aber es schafft Distanz zwischen Produkt, Händler, und dem Käufer/der Käuferin. Für manche Bereiche ist das völlig legitim. In der Uhrenwelt sehe ich den wahren Mehrwert jedoch in der Nähe.
Deshalb beschränke ich mich bewusst auf Modelle, die ich selbst auswähle, ankaufe oder gezielt verfügbar mache. Nicht um künstlich etwas zu verknappen, sondern um Angebot und Realität deckungsgleich zu halten.
Online und offline Angebote müssen sich nicht ausschließen. Im Idealfall ergänzen sie sich. Der Onlineshop bietet Übersicht und Vergleichbarkeit, ein realer Ort wie die flomp89 Lounge ergänzt das Ganze durch Erfahrung und Einordnung.
Gerade bei Uhren ist diese Verbindung kein Luxus, sondern meiner Meinung nach ein echter Vorteil.
Zwischen Hochglanz und Substanz
Wer sich heute mit Uhren beschäftigt, begegnet unweigerlich starken Bildern. Perfekt inszenierte Kampagnen, beeindruckende Videos, große Versprechen. Marken erzählen von Tradition, Innovation, Manufaktur, Ikonen.
Marketing gehört dazu. Ohne Sichtbarkeit funktioniert kein Unternehmen. Aber je länger man sich mit Uhren beschäftigt, desto klarer wird, dass nicht alles, was gut erzählt ist, auch automatisch Substanz hat.
Die spannendere Frage ist deshalb nicht, welche Marke am lautesten auftritt, sondern welche langfristig überzeugt.
Geschichte allein reicht nicht
Viele Marken verweisen auf ein Gründungsjahr im 19. Jahrhundert. Das klingt beeindruckend. Doch eine Jahreszahl allein sagt wenig über die Qualität der Uhren und der Marke dahinter aus.
Entscheidend ist, wie mit dieser Geschichte umgegangen wird. Wird sie glaubwürdig weitergeführt? Spiegelt sie sich im Design und in der Produktqualität wider? Oder dient sie nur als dekorativer Rahmen für moderne Massenproduktion?
Eine Marke darf stolz auf ihre Historie sein. Aber Geschichte wird erst dann relevant, wenn sie im Produkt spürbar ist.
Der Blick hinter die Kulissen verändert die Perspektive
Ein entscheidender Moment entsteht oft dann, wenn man eine Marke nicht nur aus dem Katalog kennt, sondern selbst vor Ort war.
Ich hatte in den letzten Jahren mehrfach die Möglichkeit, gemeinsam mit Mitgliedern der Community Manufakturen zu besuchen. So waren wir zum Beispiel bereits bei Alexander Shorokhoff, bei Hanhart und bei Stowa zu Gast. Solche Besuche sind nicht nur spannend, sie schaffen vor allem Transparenz.
Man sieht, wie gearbeitet wird. Wie Gehäuse vorbereitet werden, wie Werke montiert werden, wie Qualitätskontrollen ablaufen. Man bekommt ein Gefühl dafür, ob Prozesse wirklich gelebt werden oder nur gut erzählt sind.
Das vollgravierte Poljot Handaufzugskaliber des Modells DNA der Marke Alexander Shorokhoff. Fotoquelle: Alexander Shorokhoff.
Ein besonderes Highlight ist bei Alexander Shorokhoff immer wieder der Graveur, der die bekannten Handgravuren der Marke setzt. Wenn man erlebt, mit welcher Ruhe und Präzision diese Arbeiten entstehen, versteht man plötzlich, warum bestimmte Modelle ihren ganz besonderen Charakter haben. Das ist kein Marketingbegriff, sondern echtes Handwerk. Genau solche Details werden zu einem Alleinstellungsmerkmal, das man nicht künstlich erzeugen kann.
Auch bei Hanhart oder STOWA wird deutlich, wo die jeweiligen Stärken liegen. Hanhart ist seit sehr langer Zeit eng mit dem Thema Stoppuhren und Chronographen verbunden. Diese technische Herkunft spürt man bis heute in der klaren Funktionalität, der robusten Bauweise und der konsequenten Weiterentwicklung historischer Chronographenmodelle. Bei Stowa wiederum steht die Tradition der Fliegeruhren im Mittelpunkt. Die reduzierte Gestaltung, die klare Ablesbarkeit und die Nähe zu historischen Vorbildern prägen das gesamte Portfolio. Solche Unterschiede werden erst richtig greifbar, wenn man die Fertigung sieht und die Menschen dahinter erlebt.
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Ob eine Uhr wirklich durchdacht ist, erkennt man selten auf den ersten Blick. Es sind die kleinen Dinge, die langfristig den Unterschied machen.
Wie sauber sind die Übergänge zwischen polierten und satinierten Flächen? Welches Werk wurde warum in der Uhr verbaut? Wie wirkt das Zifferblatt bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen? Wie präzise rastet eine Lünette? Wie fühlt sich ein Band nach einigen Stunden Tragezeit an? Welcher Preis wird für das Gesamtpaket angesetzt?
Solche Fragen lassen sich nicht durch Kampagnen beantworten. Sie entstehen aus Entwicklung, Erfahrung und echter Auseinandersetzung mit dem Produkt.
Gerade bei kleineren oder unabhängigen Marken merkt man schnell, ob die nötige Leidenschaft hinter einem Projekt steckt oder, ob der Uhrenverkauf doch nur ein reines Geschäftsmodell darstellt.
Kommunikation auf Augenhöhe
Ein weiterer Punkt, der für mich immer wichtiger geworden ist, ist die Art der Kommunikation.
Wie reagiert eine Marke auf Rückfragen oder bei Problemen mit einer Uhr? Wie transparent geht sie mit Lieferzeiten um? Gibt es echte Antworten von richtigen Ansprechpartnern oder nur standardisierte Antworten, welche mehr oder weniger automatisch verschickt werden?
Wenn man mit Verantwortlichen direkt spricht, wenn man sieht, wie offen über Prozesse oder auch über Herausforderungen gesprochen wird, entsteht echtes Vertrauen. Und Vertrauen ist in dieser Branche ein entscheidender, wenn nicht gar der entscheidendste Faktor.
Community statt nur Kampagne
Große Budgets erzeugen Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit allein schafft keine Bindung.
Ich erlebe immer wieder, dass Marken, die den Austausch mit Sammlern suchen und Feedback ernst nehmen, langfristig stärker wirken als Marken mit regelmäßigen reinen Imagekampagnen für die breite Masse. Wenn Communitymitglieder selbst eine Manufaktur besuchen, Fragen stellen und Prozesse nachvollziehen können, entsteht ein ganz anderes Verständnis für die Marke und oft auch eine emotionalere Verbindung zu den Uhren sowie den Menschen dahinter.
Aus einer Marke wird dann kein abstrakter Name mehr, sondern ein konkretes Team mit klarer Haltung.
Perfekt ist selten, stimmig ist entscheidend
Keine Marke, ganz egal ob groß oder klein, ist fehlerfrei. Auch etablierte Hersteller mit riesigen Budgets treffen Entscheidungen, die durchaus diskutiert werden können. Entscheidend ist dabei aus meiner Sicht heraus nicht das Erreichen der hundertprozentigen Perfektion, sondern ein möglichst in sich stimmiges Gesamtbild.
Passt das Design zur Geschichte? Ist die Preisgestaltung nachvollziehbar? Werden Besonderheiten in der Herstellung oder an den Uhren tatsächlich gelebt oder nur behauptet? Gibt es echte Substanz hinter den im Marketing gemachten Versprechungen?
Eine gute Marke muss nicht alles können. Sie sollte nur klar wissen, wofür sie steht.
Mein persönlicher Blick
Je länger ich mich mit Uhren beschäftige, desto weniger beeindruckt mich der reine Markenname, das damit einhergehende Prestige oder das weit in der Vergangenheit liegende Gründungsjahr der Marke. Mich interessiert heute stärker, wie konsequent eine Marke ihre Linie verfolgt und wie ernst sie ihr eigenes Produkt nimmt, sie es in der Planung oder der eigentlichen Umsetzung.
Ob Microbrand oder traditionsreicher Hersteller ist dabei zweitrangig. Substanz, Transparenz und Haltung sind zumindest für mich keine Frage der Unternehmensgröße.
Am Ende entscheidet nicht das lauteste Marketing, sondern die langfristige Erfahrung am Handgelenk. Und manchmal auch der Eindruck, den man gewinnt, wenn man hinter die Kulissen schauen durfte.
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